Ausbildung bei der Höhlengruppe

Katharina Lempe berichtet:

 

Alles ist im Wandel. Das gilt auch für die Höhlenforschung in Franken. Früher waren Höhlenforscher als eigenbrötlerische Zeitgenossen bekannt, die sich mit Geheimnissen um Höhlen umgaben und so wenig Informationen wie möglich herausgaben. Heute hat sich das Bild des Höhlenforschers grundlegend geändert. Die Zeiten der geheimnistuerischen Höhlenforscher sind vorbei. Der Höhlenforscher tritt an die Öffentlichkeit und setzt auf Aufklärung in Bezug auf Höhlen und Höhlenschutz, gemäß dem Motto: Nur was man kennt kann man auch schützen. So ist auch unsere Höhlengruppe nicht nur im Umgang mit Behörden, Erstellen von Gutachten oder Erforschung, Dokumentation und Vermessung von unbekannten Höhlen, Veranstaltung von Vorträgen aktiv, sondern fördert auch die Ausbildung. In diesem Sinne bieten wir seit einem Jahr beim Ausbildungsreferat des DAV Erlangen eine Höhlentour an. Unerfahrenen und neugierigen Höhlen Interessierten geben wir ei nen Einblick in die Höhlenforschung und begleiten sie sicher durch die Höhle. Dabei geben wir Informationen zu Höhlen und Höhlenbefahrungstechniken, zu Höhlenschutz und Höhlenentstehung, Forschung und Vermessung. Wir werden im nächsten Sommer abermals eine Höhlentour anbieten und freuen uns auf weitere Interessierte.

Nachfolgend schildert eine Teilnehmerin ihre Eindrücke von der Höhlenbefahrung in diesem Sommer:

Befahrung der Bismarckgrotte im Juli 2013
Bei sommerlichen 25 Grad eingepackt in Fleecejacke, Skiunterwäsche und Schutzanzug machten wir uns am 6. Juli auf den Weg zur Bismarckgrotte. Unsere Gruppe bestand aus sechs eher höhlenunerfahrenen Teilnehmern und unseren zwei Experten Jutta und Stefan Uhl, die uns schon darauf vorbereitet hatten, dass es kühl werden würde: „Ungefähr 7–8 Grad hat es in der Höhle“.
Die erste Hürde war die Strickleiter am Nordeingang, über die es acht Meter in die Tiefe ging. Unten angekommen konnte man sich schon einmal daran gewöhnen, den Raum nur im Licht der Stirnlampen zu erkennen, bis es die anderen alle die Strickleiter hinunter geschafft hatten.
Die Bismarckgrotte ist eine der größten Karsthöhlen der Fränkischen Schweiz und besteht aus mehreren Ebenen, deren tiefste Stelle 52 Meter unter dem Südeingang liegt. Sie ist für Neulinge gut geeignet, da man durch ihr ausgedehntes Gangsystem die Route je nach Kondition und sportlichem Einsatzwillen der Teilnehmer gut variieren kann. Jutta und Stefan, die schon seit Langem als Höhlenforscher sehr aktiv sind, ist es wichtig, dass Höhlen als schützenswerter Naturraum wahrgenommen werden. Als ein Kunstwerk der Natur, das über Jahrtausende gewachsen ist – ebenso, wie auch als Lebensraum von Fledermäusen. Als erfahrene Höhlenforscher konnten sie uns erklären, an welchen Gesteinsformationen wir vorbei kamen und machten uns klar, wie sensibel das natürliche Gleichgewicht in einer Höhle ist. Sie erklärten uns die fränkische Karstlandschaft, die Höhlenentstehung und die Bildung von Tropfsteinen und Sinter. Neben geologischen Erklärungen und den Verhaltensregeln von Höhlenforschern bekamen wir einen Eindruck über die aktive Höhlenforschung. Außerdem wurden uns die Aufgaben der Höhlenrettung und die Struktur der Höhlenvereine und Verbände in Deutschland vermittelt.
Für mich stand bei der Befahrung eindeutig die Herausforderung im Vordergrund, mich in den unterschiedlichsten Regionen der Höhle möglichst geschickt fortzubewegen. Mal ging es nur kletternd mit Hilfe der anderen voran, mal musste jeder selbst ausprobieren, wie er am besten durch die Spalten kam oder sich auf dem Bauch liegend durch einen engen Tunnel schieben konnte. Unsere Höhlenführer ließen uns Zeit und gaben nicht zu viele Hinweise, so dass jeder für sich herausfinden konnte, wie er den Kletterweg angehen wollte.
In einer der Hallen in den Erzgängen, in der wir zu acht gerade gemütlich Platz hatten, erklärte uns Jutta, dass wir hier nur ein paar Meter unter der Erdoberfläche waren. Tatsächlich konnte man an manchen Stellen Wurzeln von Bäumen sehen, die über uns einen Weg durch die Felsendecke gefunden hatten. Für ein paar Minuten löschten wir unsere Stirnlampen, saßen in absoluter, aber gemütlicher Dunkelheit zusammen und genossenalle die Stille.
Nach fast vier Stunden hatten wir unterirdisch ungefähr 700 m, aber gefühlte 10 km zurückgelegt und freuten uns nach dem Ausstieg aus der Höhle über den über raschend intensiven Geruch des Waldbodens und die Wärme. Zurück auf dem Waldparkplatz bei unseren Autos schälten wir uns aus den ziemlich verdreckten Schutzanzügen und sorgten dafür, dass wir in der Öffentlichkeit wieder vorzeigbar waren. Im Gasthof „Zum Goldenen Hirschen“ im Hirschbachtal ließen wir die Tour bei einem üppigen Mittagessen ausklingen.

August 2013, Katharina Lempe


 
zurück zur Liste