Mit Eseln durch die französischen Cevennen

Zehn „Querbeetler“ machten sich in Fahrgemeinschaften am 6. Mai auf nach Frankreich. Die Idee: Mit Esel in den französischen Cevennen wandern, wie es 1878 der schottische Reiseschriftsteller Robert Louis Stevenson, Autor des Buches "Die Schatzinsel", mit seiner Eselin Modestine machte. Sein Reisebericht verhalf ihm zum literarischen Durchbruch und machte die Cevennen, südlich vom Zentralmassiv in Okzitanien gelegen, bekannt.

 

An fünf Tagen wanderten wir auf seinem Weg mit vier Eseln durch den Nationalpark der Cevennen.

Die Cevennen bieten eine erstaunliche Vielfalt an Landschaftsbildern: Heide,

Hochebenen, der Mont Lozère. Generationen von Tierzüchtern und Landwirten geprägten die Gegend mit Almen, Terrassen, Weiden und kleinen Dörfern. Wir erlebten eine außergewöhnliche Flora mit vielen Orchideen und ganzen Feldern voller Narzissen. Aber auch der Winter zeigte sich am Ende unseres Eseltrekkings nochmals mit heftigen Schneefällen.

Bei sommerlichem Wetter fuhren wir in zwei Tagen in die Cevennen. Übernachtung in Dole am Doubs (im französischem Jura) mit Stadtbesichtigung und Abendessen im Freien essen. Am zweiten Tag ging es über Landstraßen weiter. Interessant war das Städtchen Tournus am Fluß Saône mit seiner mehr als tausendjährige Kirche Saint Philibert – sie ist der älteste erhaltene romanische Großbau Frankreichs. Gegen Abend erreichten wir die Ortschaft Chasserades und das Hotel des Sources. Hier wurden uns „unsere“ vier Esel übergeben, die wir zu zweit oder zu dritt in Empfang nahmen.

Marie Ange, die Eselhalterin, wies uns für die Tour ein. Alle Esel waren ausgestattet mit einem Holzgestell für das Gepäck, das mit mit einer Decke unterlegt und mit Bändern festgezurrt wird. Das Gepäck wird seitlich an diesem Holzgestell festgemacht; es gewichtsmäßig gut ausgeglichen werden, verrutschen wäre fatal. Ein Esel trägt das Gepäck von 2 bis 4 Personen bzw. 30 bis 40 kg. Die Eselpflege ist einfach: Striegeln, Bürsten, Hufe säubern.

Am nächsten Morgen sind wir das erste Mal „allein“ mit unseren Eseln. Die Eselin „Wopa“ führt immer den Tross an, die Wallache „Reflet“, „Narcisse“ und „Tonnerre“ sollten folgen – meist stimmte das auch. Ein nachmittägliches Wärmegewitter beeindruckte die Esel zum Glück nicht. Bei Nathalie in Bonnetes in ihrem liebevoll eingerichteten Gîte beschließen wir bei einem wunderbaren Abendessen diesen doch anstrengenden Tag.

Die nächste Etappe führte uns auf das Granitplateau zum Mont Lozère. Dort kamen erst die Esel auf die Koppel, dann bezogen wir die Zimmer.

Tags darauf wollten wir den höchsten Berg, den Mont Finiels (1699 m) mit Weitsicht bis in die Alpen, genießen. Ein längerer Aufenthalt war bei starkem Wind nicht möglich, also stiegen wir nach Pont-de-Montvert ab. Viele lose Steine auf dem Weg machten das Laufen schwierig und so ließen wir uns und den Eseln Zeit, einen sicheren Tritt und das eigene Tempo zu finden. Angekommen bei der Auberge des Cévennes wies uns der Wirt eine abseits gelegene Koppel zu. Wir schleppten Wasser und Kraftfutter und kümmerten uns um das Wohlbefinden unserer treuen Gefährten.

Querbeetgruppe Wanderung Cevennen Am vierten Tag ging es lange durch blühenden Ginster aufwärts. Nun liefen wir auf Schiefergestein statt wie zuvor auf Granit. Das schöne Wetter ließ uns die wunderbare, abwechslungsreiche Gegend auf den Blumenwiesen voll genießen.

Am letzten Tag liefen wir Großteils auf einer aufgelassenen alten Bahnlinie. Bemerkenswert waren die Tunnels und die Viadukte, die wir problemlos mit den Eseln passieren konnten. Nach einer ausgedehnten Mittagsrast mussten wir mit den Eseln eine stark befahrene Straße direkt hinter einer Kurve überqueren. Mit Warnposten gelang es problemlos. Beim Ökobauernhof in La-Borie ging unsere Tour zu Ende und wir verabschiedeten uns von unseren Eseln, zu denen wir eine Beziehung aufgebaut hatten, die uns aber auch forderten.

Resümee unserer Tour: Wir sind von Chasserades über Cassagnas bis La-Borie ca. 100 km und 1500 Höhenmeter mit den Eseln gewandert. Der Weg folgte oft dem GR70 und GR72, die Beschreibung der Tour war leider nicht immer präzise, Kartenmaterial war nur dürftig vorhanden. Da die Esel steile Wege nicht gehen können waren Abweichungen vom Fernwanderweg nötig. So wurden – Querbeet-like –Umwege erkundet, zum Glück aber meist bei schönem Wetter und in schöner Landschaft.

Ein Bus brachte uns wieder zum Ausgangspunkt der Tour zurück. Bei einem Vier-Gänge-Essen haben wir uns von der Eseltour erholt. In der Nacht fiel 10 cm Schnee, der auf der Höhe von 1250 m auch liegen blieb. Für die weiteren Tage war Regen angesagt. Eigentlich wollten wir die Gegend besichtigen, auf der Tarn Bootfahren und oberhalb der Tarn-Schlucht wandern. All dies wäre nicht möglich gewesen, so besichtigten wir die Tropfsteinhöhle in Dargilan und Saint-Enimie, eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Schließlich brachen wir die Reise zwei Tage früher ab – wir wollten die Gegend in schöner Erinnerung behalten. Die zweitägige Heimfahrt bestätigte unseren Entschluss – es regnete fast auf der ganzen Strecke.

Die Cevennen sind ein lohnenswertes Urlaubsziel... Auch für Rucksackwanderer!

Bericht und Foto: Daniel Laas

 
zurück zur Liste