Rund um den Watzmann

Rund um den Watzmann
Impressionen einer Hüttentour durch die Berchtesgadener Alpen vom 9. bis 14. Juli 2006,
Erlanger Wandergruppe unter der Führung von Gerhard Kratz
 
Tag 1: Von Erlangen über den Jennergipfel zum Carl-von-Stahl-Haus
Bei strahlendem Sommerwetter brachen wir am 9. Juli zu unserer sechstägigen Wanderung in den Berchtesgadener Alpen auf. Unsere Fahrgemeinschaften war bereits am Spätvormittag in Berchtesgaden, so blieb Zeit für einen Besuch im Nationalparkhaus. Dort wurde uns ein Fülle an Informationen zum Nationalpark, seiner Entstehung und seiner Fauna und Flora geboten. (Bereits 1978 hatte der Nationalpark eine Fläche von 210 km2, 1990 wurde er von der UNESCO dem weltweiten Biosphärenreservat eingegliedert.) Anschließend konnten wir noch einen Festzug von Schützen und Trachtengruppen bewundern.
 
Hervorragend eingestimmt trafen wir uns an der Königssee-Lände mit den übrigen Teilnehmern. Kurze Zeit später schwebten rund 20 bergbegeisterte Wanderer mit der Jennerbahn zur 1.802 m hoch gelegenen Bergstation. Nach unserem ersten Anstieg zum Jennergipfel – ganze 72 m ! – bot sich uns ein herrlicher Panoramablick über den Königssee zum Watzmannmassiv und auf die umliegenden Bergrücken. Ein  gemütlicher Abstieg brachte uns zum Carl-von-Stahl-Haus, unserem ersten Quartier. Dort konnten wir am Abend noch mit Spannung das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft verfolgen – auch heftige atmosphärische Störungen taten dem keinen Abbruch.
 
Tag 2: Vom Carl-von-Stahl-Haus über den unteren Hirschlauf zur Gotzenalm.
Ein strahlender Morgen mit fast wolkenlos blauem Himmel. Auf breitem Fahrweg starteten wir durch Wald und blühende Almwiesen Richtung Gotzenalm. Herrlich der Blick auf das wolkengekrönte sagenumwobene Watzmannmassiv. Buttermilch und schmackhafte Mozzarella-Brote entschädigten uns auf der Priesbergalm für eine leider geschlossene Enzianbrennerei.
 
   Gut gestärkt nahmen wir den Hirschlauf in Angriff. Dieser meist schmale Bergsteig, mit Holztreppen und Drahtseilen gesichert, erforderte Trittsicherheit und an einigen exponierteren Stellen auch Schwindelfreiheit. Hinauf ging's zur Hochfläche der Gotzenalm, wo sich vom Feuerpalfen aus ein grandioser Tiefblick zum Königssee und auf St. Bartholomä bot. Plötzlich entdeckten wir einen Steinadler, der sich nur wenige Meter vor unserer Beobachtungskanzel in die Lüfte schraubte. Atemlos vor Staunen beobachteten wir, wie er in majestätischer Ruhe seine Kreise zog ...
 
Von der Terrasse der Gotzenalm reichte der Blick von den Teufelshörnern über den Hochkönig bis zu den Funtenseetauern und der Schönfeldspitze. Die Majestät des Steinernen Meeres ließ sich hier ahnen.
 
Tag 3: Von der Gotzenalm über das Landtal zur Wasseralm.
Über die breite Hochfläche der Gotzenalm ging es zunächst eben durch Bergwald. Später führte der rasch abfallende Pfad an steil aufragenden Felswänden entlang hinunter ins Landtal. Die dort gelegene Wasseralm (1.423 m) erfreut durch ihren rustikalen Charme und ihre Naturbelassenheit. Plumsklo hinterm Haus und Gemeinschaftsschlafsaal wecken Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Im besten Sinne tut dies auch die hervorragende Hausmannskos (die Gemüsesuppe und die Dampfnudeln entpuppten sich als echter Geheimtipp!) . Nach Anbruch der Dämmerung kamen weiter Kostgänger: Rehe, die sich an den Küchenabfällen der Wasseralm gütlich taten. Lange noch saßen wir in der sternklaren Sommernacht plaudernd vor der Hütte, bis wir endlich todmüde in die Kojen sanken.
 
Tag 4: Von der Wasseralm über Halsköpfl, Schwarzsee und Grünsee zum Kärlingerhaus am Funtensee
Mit insgesamt 750 Höhenmeter bergauf und 450 Höhenmeter bergab und einer geschätzten Gehzeit von ca. 4,5 Stunden erwartete uns die zweit längste Etappe unserer Wanderung. Unverhoffte landschaftliche Ausblicke und die sommerliche alpine Vegetation belohnten uns immer wieder für die Anstrengungen des Weges. Prachtvolle Polster rot blühender Alpenrosen wetteiferten mit dem tiefblauen stengellosen Enzian. Weitere Enzianarten, Türkenbundlilien und eine Vielzahl anderer Alpenblumen konnten wir entdecken – Augenweide und Botaniklehrkurs gleichzeitig.
 
Spannende Momente folgten: Unser relativ hoch am Hang verlaufender Weg war teilweise durch Murenabgänge weggerissen. Diese Passagen galt es beherzt und mit Besonnenheit zu überwinden, der zuweilen beeindruckenden Steilheit des Hanges zum Trotz. Im wieder leichteren Gelände belohnten uns die Schönheit der Landschaft und immer wieder die Pracht der Alpenblumen für unsere Leistung.
 
Im Kärlingerhaus am Funtensee (fast schon ein Hotel in den Bergen) schwelgten wir nach den überstandenen Strapazen und stärkten uns für die kommenden Herausforderungen ... (Übrigens: der Funtensee machte als 'Kältepol Deutschlands' Furore. Am Weihnachtsabend 2001 wurden dort sage und schreibe minus 45,9 Grad Celsius gemessen – ein echter deutscher Kälte-Rekord.)
 
Tag 5: Vom Kärlingerhaus (1630 m) über die Hundstodscharte (2010 m) zum Ingolstädter Haus (2119 m)
Ein eher kurzer Anstieg führte uns rasch zur Hundstodscharte, die den Blick freigab auf die herbe Weite des steinernen Meeres. Nach dem Durchqueren eines breiten Talkessels zog unser Weg über felsiges Gestein, unterbrochen durch kleinere Schneefelder, hinauf zum Ingolstädter Haus. Einen ganzen sonnigen Nachmittag lang entspannten wir uns dort auf der Terrasse. Alle? Nein, nicht alle. Drei Unentwegte, Annegret, Barbara und Walter, nutzten die Gunst der Stunde und bestiegen rasch den kleinen Hundstod. Wir  'Faulpelze' verfolgten bewundernd mit dem Fernglas, wie sie hoch auf dem Grat unaufhaltsam dem Gipfel zustrebten ...
 
Tag 6: ... 'so weit die Füße tragen' ...Vom Ingolstädter Haus über die Wimbachgrieshütte durch das Wimbachtal zurück nach Berchtesgaden, Heimfahrt nach Erlangen
Der letzte Tourentag forderte uns noch einmal voll. Zunächst galt es, das Joch des Hundstodgatterls zu erklimmen, um dann in unzähligen spitzen Kehren ins Wimbachgries hinabzusteigen. Dabei ging es durch die verschiedenen Vegetationszonen der alpinen Region hinunter zur Wimbachgrieshütte (1.327 m). Spielende Murmeltiere und eine Schar Gämsen, die auf einem Schneefeld ruhte, ließen, ebenso wie der Anblick des majestätischen Hochkaltern, manches Wegstück wie im Fluge dahingehen.
Der schier endlose Weg durch das Wimbachtal zurück nach Berchtesgaden stand dann zwar eher unter dem Motto: 'so weit die Füße tragen'. Doch irgendwann war auch dieses Wegstück geschafft.
 
In einer fröhlichen Runde bei Kaffee und Kuchen ließen wir zum Abschluss noch einmal die Highlights unserer gemeinsamen Tour Revue passieren. Hinter uns lagen sechs unvergessliche Tage. Alle Anstrengungen und Mühen der Auf- und Abstiege und der langen Wege sind fast schon vergessen. Bleibend sind die vielen Eindrücke, die Erinnerungen an die Bergwelt der Berchtesgadener Alpen – ihre Landschaft und ihre Tier- und Pflanzenwelt. Unvergesslich bleibt uns diese gemeinsame Tour rund um den Königssee bei überwiegend strahlendem Sommerwetter.
 
Gudrun Männlein
 
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