Exkursion in die Rhön

"Für Herren empfiehlt sich ein Lodenanzug ...

[…] kurze Hosen erleichtern das Gehen. Feste, vorher gehörig eingetretene Schnürschuhe. Den Schirm lasse man zu Hause. Dafür nehme man einen festen Stock mit Eisenspitze und einen leichten Lodenmantel mit. Für Damen empfiehlt sich ein Lodenrock, der aufgeschürzt werden kann…". Diese Ratschläge entstammen einem Reiseführer für den "ungeübten Städter" der in die Rhön reist.

 

Die Rhön als „Sommerfrische“, als Wandergebiet wird zum Beginn des 20. Jh. als Anziehungspunkt entdeckt. Gefördert wird dies durch den Rhönclub der bereits 1876 in Gersfeld (Osthessen) gegründet wurde, wenige Jahre nach Gründung des DAV 1869. Parallelen finden sich in den Zielen beider Vereine, es geht um Anlage und Pflege von Gebirgswegen, um Wegweiser, Hüttenbau, um Aufbau einer touristischen Infrastruktur. 2010 zählt der Rhönclub etwa 25.000 Mitglieder.

Biospärenreservat

Im Dreiländereck von Bayern, Hessen und Thüringen wurde nach einem Konzept von 1974 ein großflächiges Schutzgebiet ausgewiesen, das die internationalen Kriterien eines UNESCO-Biosphärenreservats erfüllt. Mit 243.323 ha ist es so groß wie das Saarland, bei knapp 219.000 Einwohnern.

Es gibt drei Nutzungs-Zonen:

  • Die Kernzone mit 3% der Gesamtfläche, Wildnis mit Waldflächen und Hochmoor; keine Nutzung
  • Die Pflege- oder Pufferzonen mit 9-36% der Gesamtfläche; land- und forstwirtschaftliche Nutzung im Einklang mit den Schutzzielen, Erhalt der regionalen Identität
  • Die Entwicklungszonen mit dem größten Flächenanteil; nachhaltiges Wirtschaften des Menschen

Grundlage ist die Entwicklung der Kulturlandschaft der Rhön. Rodungen im Mittelalter und der Frühneuzeit, auch in den Hochlagen der Rhön, haben den Wald zurückgedrängt. Seitdem prägen Wiesen und Weiden die Landschaft, so dass Tierarten wie der Rotmilan sowie wiesenbrütende Vögel vorkommen. Die Bergwiesen und Moore sind Lebensraum für gefährdete Pflanzen wie Arnika, Pfingstnelke und Sonnentau. Das Rhönschaf, eine bedrohte Haustierrasse, aber auch Rinder und Ziegen werden zur Offenhaltung der Wiesen eingesetzt.

Das geschützte „Schwarze Moor“ ist mit 70 ha eines der wenigen unberührten Hochmoore in Mitteleuropa. Auf großen Flächen wachsen Torfmoose oder Sonnentau, auf trockneren Bereichen Rauschbeere und Heidekrautgewächse.

Rückblick Rhönexkursion Juni 2018

Naturschutzexkursion Rhön 2018 Zwei Tage verbrachten wir, eine kleine Gruppe von Naturinteressierten, in der „Langen Rhön“. Am Samstag wanderten wir auf den Hochflächen der Rhön über weite Wiesen. Violette, pinkfarbene und gelbe Farbtupfer in den fahlen Borstgrasrasen sind Ackerwitwenblume, Pechnelke, Glockenblume, Arnika und Johanniskraut. „Land der offenen Fernen“, für uns hieß das, weite Fernblicke über Wiesen hinweg auf die Wasserkuppe, den höchsten Berg der Rhön mit 950 m, auf ehemalige Grenztürme und weitere Wiesen und Weiden. Bei kühlen 10° C und böigem Wind fragte man sich, „Ob ein Lodenanzug hier hilft?“. Umweltbildung ist eines der Ziele für einen nachhaltigen Tourismus und so schlossen wir uns am nächsten Tag einer Führung durch das „Schwarze Moor“ an. Unsere Exkursion endete mit einem Besuch des Freilichtmuseums in Fladungen.

Susanne Malik, Naturschutzreferentin

 

Foto: K. Allabauer

 
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