Forum Klimaschutz

Beiträge und Meinungen unserer Mitglieder

Natur nachhaltig bewahren. Das ist eines der Themen, die in der DNA des Deutschen Alpenvereins und unserer Erlanger Sektion, als Bergsport- und Naturschutzverbände, fest verankert sind. Zweifelsohne zählt dazu der Klimaschutz. Freilich ein kontroverser Bereich, zu denen auch unsere Mitglieder ganz persönliche Gedanken haben. Wir möchten der Meinungsvielfalt eine Plattform bieten und die Debattenkultur innerhalb unseres Vereins fördern. Deshalb eröffnen wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit, Beiträge zum Thema Klimaschutz zu veröffentlichen. Zum gemeinsamen Austausch, zum kritisch darüber Nachdenken, zur Inspiration.

Wenn auch du deine Ideen beitragen möchtest, schicke deinen Text gerne an oeffentlichkeitsarbeit[Klammeraffe]alpenverein-erlangen[Punkt]de

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Beitrag von Friedrich Beitter, 3.3.2020

Es sind einige Beobachtungen und Veränderungen der letzten Jahre, die mich veranlassen, diese mit meinen Gedanken zu verbinden. 2015 entschied sich meine Tochter Ronja, ihre Seminararbeit für das Abitur über den Bergsturz von Köfels zu schreiben. Dieses nacheiszeitliche Megaereignis hat mich ungeheuer fasziniert, und je mehr ich mich selbst in dieses Thema einlas, umso mehr wunderte ich mich in den letzten Jahren über die Zunahme von Irrationalität und Aktionismus. Wenn ich den wildromantischen Weg vom Ötztal über Köfels hoch zum Schartl gehe und mit den Augen der Geologen die Landschaft betrachte, versuche, mir die brachiale, wenige Sekunden anhaltende Gewalt dieses riesigen Bergsturzes  vorzustellen, dann komme ich schon an die Grenzen meiner Vorstellungskraft. Denn die Wunden dieses Naturereignisses sind kaum noch als solche erkennbar. Wer würde im Tauferer Berg denn die Reste einer unvorstellbaren Massebewegung sehen und die darüber liegende Sonnenterrasse von Niederthai als Folge der neuen Barriere erkennen, wenn er es nicht in schlauen Büchern gelesen hätte? Im Zuge meiner Recherchen über die zurückliegenden 10.000 Jahre stolperte ich über eine Vielzahl von Details, die sich nicht wirklich in meine bestehenden Vorstellungen einfügen ließen: bis zu vier Grad höhere Temperaturen, bis zu 400 Höhenmeter höhere Baumgrenze, gletscherfreie Täler, Baumstämme unter sich zurückziehenden Gletschern, Pollenfunde in Hochmooren und noch einiges mehr. Die Bibliothek der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl bietet faszinierenden Lesestoff, und wie so oft nach dem Studium von Büchern und Artikeln bleibe ich mit mehr Fragen als Antworten zurück.

Es fällt mir auf jeden Fall zunehmend schwerer, den alltäglichen Bewertungen in Tageszeitung oder im Fernsehen nach dem großen Narrativ der noch nie seit Menschengedenken erlebten Klimaveränderungen vorbehaltlos beizupflichten. Wenn man von Temperatursprüngen von 10 Grad innerhalb von 10 Jahren liest, erscheinen mir durch Computermodelle prognostizierte Temperaturanstiege zwischen zwei und vier Grad bis ins Jahr 2100 nicht so irrsinnig. Nein, ich bin sicher kein „Klimawandelleugner“ – ich glaube nur nicht, dass es diese sog. Kippelemente mit unumkehrbaren beängstigenden Entwicklungen in der Realität als erratische Wahrheit geben muss. Der Wandel ist auch klimatisch die Norm und der Wechsel von Wärme- und Kälteperioden in der Erdgeschichte bekannt, aber nicht vollständig erklärt. Wir empfinden wahrscheinlich wegen unserer eigenen kurzen Verweildauer auf der Erde die uns umgebende Natur als in der Form bewahrens- und schützenswert, wie wir sie kennengelernt haben. Aber in kosmischen Dimensionen sind wir ja nicht einmal für einen Wimpernschlag da. Vorgestern war die Fränkische Schweiz ein Riffgürtel im Flachmeer des Jura und von allerlei seltsamen Tieren wie Ammoniten besiedelt, und heute möchten wir auf den Trockenrasengebieten des Walberlas seltene Orchideen erhalten.  

Für mich bedeutet das in erster Linie eine Lehre in Demut. Weder sind irdische Dinge ewig, noch ist die Veränderung zwangsläufig grauenhaft. Und bezüglich vermeintlich sicherer Prognosen erinnere ich an die „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome. Zu oft haben kluge Leute sich der Zukunftsvorhersage sicher gefühlt, aber die Geschichte ist eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Irrtümern und falschen Entscheidungen. Was mich besonders alarmiert, ist eine Veränderung der Kommunikation – besser ausgedrückt, ein Mangel an offener Kommunikation. Nachdenkliche, fragende Menschen wie z. B. Prof. von Storch, Prof. Schlüchter, Björn Lomborg oder Prof. Behringer haben kaum etwas gegen Klimaapokalyptiker auszurichten, weil sie entweder nicht auftauchen, zu leise sind oder niedergequatscht werden. Der öffentliche Diskurs ist voll von Endzeitstimmung und moralisch aufgeheizt, es scheint auch nur vordergründig noch um die Themen Natur, Umwelt oder Klima zu gehen. Man nennt es die große Transformation. Was inhaltlich zu erwarten ist, sind mehr oder weniger gesellschaftsverändernde Träume von Sozialisten oder Salonkommunisten, und man will die individuelle Freiheit massiv einschränken. Man spricht immer mehr von Kollektiven, Identitäten und Zielen für eine Zukunft von Übermorgen. Der Vergleich zur späten Weimarer Republik drängt sich auf: Krisenzeit der Extreme. Beide Extreme hatten weltverändernde Ziele, und wir haben erlebt, dass beide ideologischen Systeme gerade wegen ihrer transformativen Pläne mit ungeheurem Kollateralschaden an menschlichem Leid gescheitert sind. Apropos Pläne: Wie bringt man Gott zum Lachen? Man macht einen Plan …
Ich wünsche mir, dass wir vereinsintern eine Kultur von sachlicher Diskussion etablieren, dass wir die Bedenken zu vielen Klimathemen ernst nehmen. Aber auch, dass wir noch darüber reden können, ohne das Gegenüber mit „Klimawandelleugner“ o. Ä. zu etikettieren und damit außerhalb des Diskurses zu stellen. Es ist hoffentlich mehr, was uns verbindet, als was uns trennt.

In diesem Sinne wünsche ich mir im Verein, auf unseren Veranstaltungen und Hütten eine Zunahme von Gesprächen, die sicherlich das beste Mittel gegen die Spaltung unserer Gesellschaft wären.

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Beitrag von Friedrich Beitter, 1.3.2020

Im Februar habe ich mich während einer Vorstandssitzung bereiterklärt, zur Entwicklung eines „Klimakonzepts“ für unseren Verein beizutragen. Die Hauptversammlung des Bundesverbandes hat 2019 beschlossen, dass ein Klimabeitrag an den Bundesverband abgeführt werden muss. Unser Vorstand berät sich noch, ob wir ebenfalls einen Teil der Beiträge für den Bereich Klima verwenden wollen. Ich möchte in erster Linie zusammen mit unserer Naturschutzreferentin Susanne Malik die Bereiche untersuchen und bewerten, die für unseren Verein unmittelbar relevant sind. Es ist mir bewusst, dass es eine Herkulesaufgabe ist, weil heute ja irgendwie alles mit Klimawandel zu tun zu haben scheint. Mir ist in erster Linie wichtig, dass wir uns alle mit dem Thema sachlich und nicht emotional überhitzt befassen wollen.
Weder erscheint es mir sinnvoll, dass wir uns von der Angstagenda der klimaapokalyptischen Reiter zu wenig durchdachten Kurzschlusshandlungen treiben lassen, noch dass wir uns zurücklehnen, weil das sowieso alles Fake News sind. Weder ist sich „die“ Wissenschaft einig, noch sind alle Fragen gestellt oder gar ausreichend beantwortet worden.

Klimaschutz, Umweltschutz, Naturschutz?

Anfangs sollten wir die Wirklichkeit möglichst präzise beschreiben und Begrifflichkeiten genau definieren. Denn Naturschutz, Umweltschutz und Klimaschutz sind keine Synonyme. Ganz im Gegenteil können sie miteinander in starke Konflikte treten.
Klimaschutz ist zwar inzwischen eines der meistverwendeten Wörter unserer Zeit, aber da es sich bei Klima laut Definition um eine nachträgliche Beschreibung „des mittleren Zustands der Atmosphäre an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Gebiet über einen längeren Zeitraum handelt, ist es schwierig zu verstehen, wie man etwas, das erst im Nachhinein entsteht, schützen kann. Als Zeitspanne empfiehlt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO – World Meteorological Organization) mindestens 30 Jahre. Weiterhin gibt es nicht das Klima, sondern verschiedene Klimazonen, die sich immer gewandelt haben.
Auch wenn sich der Begriff Klimaschutz im Alltag überall breitgemacht hat, wäre so etwas wie Ressourcenschutz inhaltlich besser geeignet – zumal selbst die Klimaforschung nicht einmal die Komplexität globaler Wettergeschehen (z. B. El Niño) hinreichend beschreiben oder gar erklären kann. Ich denke, dass wir das Wort Klima viel zu inflationär gebrauchen und es mehr eine gerade modische Leerformel ist. Passt immer!

Naturschutz wird in Deutschland beispielsweise in Bürgerinitiativen gegen Neuerrichtungen von Windrädern aktiv als Argument genutzt, weil durch das Aufstellen der Windkraftanlagen massiv Natur (Wald, Böden, Vögel, Fledermäuse, Insekten) zerstört wird. Umweltschutz dagegen will Windenergie fördern, um den sog. Ökostrom zu fördern, was der Umwelt nützen soll. Das heißt, hier wird in der Kosten-Nutzen-Berechnung die Naturzerstörung als geringeres Übel zugunsten eines höheren Zieles hingenommen. Welches Schweinderl hätten wir denn gern? Ich werde im weiteren Text der Einfachheit halber trotzdem den Begriff Klimaschutz verwenden.

Aufgeräumt mit der Meinungsverzerrung

Für ein zielführendes Denken sollten wir uns vorsorglich auch von pseudoreligiösen Glaubensstrukturen lösen. Unsere Erde ist weder eine gute fürsorgliche Mutter noch eine sich rächende Göttin Gaia. Weiterhin ist ein romantisches Bild von einer guten alten vorindustriellen Zeit vor allem eines: ein Beleg für Unwissen. Denn dieses Früher hatte Armut, Hunger, geringe durchschnittliche Lebenserwartung, schlechte Bildung, Unterdrückung, Unfreiheit, Mangel an fast allem und anderes Elend zu bieten. Die äußerst positiven Seiten der Industrialisierung werden leider zu oft übersehen, weil sie uns so alltäglich geworden sind. Und noch einen Irrtum möchte ich gleich zu Anfang ausräumen: Das Klima wandelt sich schon immer. Mit und ohne uns Menschen. Ich nehme jedoch immer wieder in Gesprächen so ein unterschwelliges Schuldgefühl in der Art eines alten Witzes wahr: Treffen sich zwei Planeten, sagt der eine zum anderen: Mir geht es nicht gut, ich habe Homo sapiens. Antwortet der andere: Ist nicht so schlimm, hatte ich auch mal. Das geht vorüber. Es wäre schade, wenn es so sein sollte, aber ich bin optimistisch, dass wir nicht die Krankheit unserer Erde sind.

Viele Dinge scheinen sonnenklar zu sein, werden landauf, landab ständig wiederholt, sind aber doch nur „Urban Legends“ – ähnlich der, dass Eier schlecht für den Cholesterinspiegel sein sollen oder Spinat wegen des vielen Eisens besonders gesund sein soll. Beides sind „wissenschaftliche“ Irrtümer, die sich Jahrzehnte halten konnten. Aber bis heute ist Popeye so stark, weil er immer genug Spinat isst.
Ein Beispiel für angeblichen Klimaschutz ist E-Mobilität, die von unserer deutschen Politik massiv beworben, gefordert und gefördert wird. Dabei liegen inzwischen mehrere große unabhängige Studien vor, die nachrechnen, dass ein E-Auto knapp 220.000 km fahren muss (natürlich ohne Batterieaustausch), bevor es beim deutschen Strommix bzgl. CO2 das Dieselauto überholt. Das sind desillusionierende Erkenntnisse und zeigt, dass so manche sehr ambitionierte – sicherlich gut gemeinte – Vorstellung einfach falsch sein kann. Zusätzlich würde eine starke Zunahme der Stromer ja auch einen steigenden Bedarf an bereitzustellendem Strom verursachen. Und, was ich noch nie verstanden habe, ist die Lockerheit mit der von „Emissionsfreiheit“ gesprochen wird. Früher kam der Strom einfach aus der Steckdose. Die Verlagerung des Auspuffs weg von den urbanen Räumen scheint mir dem gleichen kindischen „Denk“-Schema zu folgen. Es wäre zu schön, wenn die Welt so einfach wäre, wie uns das einige glauben machen wollen.

Damit möchte ich zu einem Geburtstagskind kommen: Das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) wurde kürzlich 20 Jahre alt. Es klingt medial ja so, als hätten wir es fast schon geschafft. Angeblich ist der deutsche Weg so erfolgreich, dass er in vielen Ländern weltweit kopiert wird. (Was nicht stimmt.)
Nur: Im Sektor Strom, der 20 % des Gesamtenergiebedarfs Deutschlands ausmacht, haben die sog. Erneuerbaren einen Anteil von 36 % (2019). Das bedeutet, dass die Deutsche Energiewende, die bisher über eine halbe Billion Euro (!!) teuer war, für das Klima aber nicht recht viel zu bieten hat. Windkraft und Photovoltaik tragen trotz des massiven Ausbaus momentan etwa 5 % zur Gesamtenergieversorgung Deutschlands bei. Das klingt nicht nach einem echten Erfolgsmodell. Und wer in den Fächern Physik und Mathematik aufgepasst hat, wird feststellen müssen, dass selbst eine Verdreifachung von Wind und Photovoltaik den Stromsektor nur auf dem Papier völlig grün machen würde. Weil wir nur begrenzte und bereits ausgeschöpfte Möglichkeiten für Wasserkraft und Biomasse haben und Wind und Solar eben volatil (also schwankend, weil nur liefernd, wenn Wind weht und Sonne scheint) und damit nicht planbar und grundlastfähig sind. Strom ist aber nur dann etwas wert, wenn er gebraucht wird. Über Speichermöglichkeiten haben inzwischen viele wissenschaftliche Arbeitsgruppen Berechnungen angestellt und diese unter Berücksichtigung heutiger technischer Möglichkeiten leider in die Welt der Fantasie geschickt …
Ich habe in den letzten Jahren mit großem Interesse zahllose Bücher und Studien gelesen, habe mich mit grünen Philosophen und „Klimaskeptikern“ beschäftigt, auch selbst gedacht und versucht, mir einen Überblick zu verschaffen. Es ist unglaublich viel Material, weil ja vieles über nicht lineare, versteckte Beziehungen miteinander vernetzt ist. Was mir klar geworden ist, ist unser Kardinalfehler, nämlich zu glauben, dass sich irgendetwas am anthropogenen Anteil des Klimawandels ändern wird, wenn wir das in Deutschland mit der Brechstange und völlig irrem ökonomischem Aufwand betreiben. Die Energiewende mit dem Ausstieg aus Kernenergie (2021) und Kohleenergie (2038) ist astronomisch teuer und bewirkt global gesehen eigentlich nichts.

Entwicklungshilfe statt Öko-Strom

Wir tun uns sehr leicht, Verzicht einzufordern, weil wir das zufällige Glück haben, uns in Mitteleuropa zu befinden. In Ländern, die unter Armut, Krankheit, Hunger, hoher Kindersterblichkeit, mangelhafter Hygiene und geringer Bildung leiden, ist das primäre Ziel sicherlich nicht die CO2- Vermeidung. Diese Länder wollen ja dorthin, wo wir uns seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hin entwickelt haben. Haben wir das moralische Recht, sie davon abzuhalten? Deshalb wird unsere deutschlandzentrierte Betrachtungsweise für ein globales Problem nicht genügen, um nicht zu sagen, nicht hilfreich sein. Die Emissionen jeglicher Art (die alleinige Fixierung auf CO2 ist an sich schon etwas problematisch) werden weiter steigen, denn die beiden größten Länder, China und Indien, haben durch das Pariser Klimaabkommen mehr oder weniger einen Freifahrtschein bis 2030. Und bislang nehmen diese Staaten etwa alle Woche ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb. Es ist also so, dass wir Deutschland in einen mittelalterlichen Agrarstaat oder meinetwegen in die Steinzeit zurückentwickeln könnten, es würde dem Weltklima nicht nützen. Diese Strategie versagt.
Wir können in der EU ein Verbot der Plastiktüten einführen, aber was hilft das den Weltmeeren, wenn über 95 % des eingetragenen Plastikmülls aus zehn großen Flüssen in Asien und Afrika stammen. Das ist nichts als Aktionismus und Gefühlsethik. Es fühlt sich halt richtig an, wenn man Plastikfasten betreibt. Helfen würde den Meeren aber bestimmt eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den verursachenden Ländern. Denn das ist eine vielfach bewiesene Tatsache: Je besser entwickelt Länder sind, umso mehr sind sie bereit, in Natur- und Umweltschutz zu investieren. Gleichzeitig würde man sicherlich positive Effekte auf das unkontrollierte Bevölkerungswachstum erhalten.

Hierzu gibt es ökonomische Berechnungen diverser Forschungsinstitute, die zeigen, dass jeder ausgegebene Euro oder Dollar eine sehr unterschiedliche Wirkung entfalten kann. In Deutschland, das seit Langem Klassenprimus im Mülltrennen und Recycling ist, kann man pro eingesetztem Euro wenig, aber z. B. in einem armen Staat wie Äthiopien ein Vielfaches erreichen. Wir könnten mit einer Milliarde Euro eine Million afrikanische Kinder ein Jahr gesund ernähren. Aber wir müssten eben auch bereit sein zu akzeptieren, dass wir jeden Euro nur einmal ausgeben können. Um ein globales Thema angemessen, d. h. mit dem größtmöglichen Nutzen für unsere Erde und gleichzeitig dem wenigsten Leid für die Menschen, fördern zu können, müssen wir weg vom hauptsächlich „lokal bei uns handeln“. Die Denke müsste eigentlich so gehen: Wenn ich in Erlangen Energie spare, Plastik vermeide oder mich bio ernähre, dann hat niemand in Afrika mehr Strom oder in Indien mehr zu essen, leider haben noch nicht einmal die Ozeane einen Vorteil. Investiere ich aber in zukunftsweisende Projekte in armen Ländern oder Schwellenländern, hat mein einer Euro einen unglaublichen Hebeleffekt, und das kommt langfristig viel mehr unserer Umwelt und damit auch dem Klima zugute. Es wäre doch für unsere Welt weitaus besser, dass wir Dinge tun, die den besten Effekt haben, als das zu tun, was sich für uns selbst gut anfühlt.

Unsere Aufgabe als Verein

Was sehe ich nun als unsere Aufgabe im Verein an? Ich wünsche mir eine rege Beteiligung, um eine Liste möglicher Verbesserungen in unserem Verein zu erstellen. Es ist sicherlich gut, wenn wir unsere Sparkassen-Bergwelt nachhaltig geplant und bald auch wirklich gebaut haben. Das Bienenhotel und die Blühpflanzen für Insekten sind gute kleine Verbesserungen. Ich schlage vor, dass wir auch weiterhin einen Teil unserer Mittel in solche lokalen Projekte stecken sollten. Aber wenn es uns wirklich ernst ist mit dem Retten des Klimas, dann müssen wir den Blick weiten und uns zu anderen Ufern aufmachen. Wir werden nicht darum herumkommen, die Punkte auf der Liste zu priorisieren, weil man nicht alles auf einmal schaffen kann. Dass man sich in Bewegung setzt, den ersten Schritt macht, das sehe ich als unseren Beitrag für eine Verbesserung der Welt an.
Ich habe schon ein klein wenig darüber nachgedacht, wie solche Projekte aussehen könnten. Immerhin habe ich vor fast 20 Jahren auch mal Entwicklungsarbeit zur Selbsthilfe gemacht – das Thema ist mir also wirklich schon lange ein Anliegen. Der Bezug zu Bergregionen liegt ja bei unserem Verein nahe, und über einige unserer Sektion verbundenen Wissenschaftler an der Universität könnten wir sicherlich hilfreiche Informationen über gute Projekte erhalten. Wenn man unsere langjährigen Beziehungen nach Cumiana, Umhausen oder Jena betrachtet, kann man ableiten, dass allen der persönliche Kontakt zu den Menschen vor Ort gemeinsam ist. Es könnte also z. B. ein Aufforstungsprojekt oder die Entwicklung von nachhaltigem Bergtourismus in einer Region eines Schwellenlandes oder „Entwicklungslandes“ sein, womit unser Verein den größten Effekt in Sachen Klimaschutz bewirkt.
Ein schönes Bonmot, das es bestens auf den Punkt bringt, habe ich letztens gelesen: Autos haben sich nicht durchgesetzt, weil man Pferde verboten hat. In diesem Sinne hoffe ich, dass sich eine Menge engagierter Mitglieder zusammenfinden und mit mir gemeinsam die bestmögliche Klimainvestitionsstrategie für unseren Verein konzeptionieren wird.