Chronik Falkenberghaus

Die wechselvolle Geschichte unserer Mittelgebirgshütte

Vorgeschichte und Geschichte des Falkenberghauses
bei Artelshofen, Gemeinde Vorra im Pegnitztal, Kreis Nürnberger Land

Kapitel:
1. Der Gedanke, die Zeit von 1908 bis 1918
2. "Die Volleth'sche Villa" auf dem Steinberg bei Hersbruck, 1919 bis 1926
3. Der Bau des Falkenberghauses und die Zeit zwischen 1926 und 1933
4. Das Falkenberghaus in den Jahren 1933 - 1945
5. Das Falkenberghaus nach dem Zweiten Weltkrieg, die Zeit von 1945 bis 1970
6. Das Falkenberghaus in den Jahren nach 1970

Bilder:
Die Aushebungsarbeiten beginnen
Baumaterial wird hochgeschleppt
Die Grundmauern stehen
Das Falkenberghaus 1926 vor dem Bau der Veranda
Die Veranda wird errichtet
Einweihung des Falkenberghauses am 19. September 1926

Übergabe des Falkenberghauses am 18. September 1948
Das Falkenberghaus mit eingebauter Veranda
Der Dachboden wird ausgebaut
Der Graben für die neuen Leitungen wird vorbereitet
Es wird gründlich renoviert, nur das Fachwerk bleibt stehen
Das Fachwerk wird mit Ytong-Steinen ausgemauert
Die 60-Jahrfeier des Falkenberghauses


1. Der Gedanke, die Zeit von 1908 bis 1918

Im Jahre 1908 wurden die Naturfreunde in Nürnberg gegründet, 13 Jahre nach ihrer Gründung im Jahre 1895 in Wien. So hatte der Funke gezündet, die Naturfreundebewegung hatte auch in Nürnberg Fuß gefasst. Damals war es das Ziel, weniger begüterten Menschen die Möglichkeit zu geben, die Natur zu erleben. - Der Alpenverein war zu dieser Zeit für die Arbeiterklasse tabu!

Zuerst galt die Hauptaufgabe dem, den Menschen aufzuzeigen was die Natur bietet, ihnen näher zu bringen was sie versäumen, wenn nur der Alltagstrott die Oberhand hat. Das geschah in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg sehr schnell. Die Fachgruppen: "Wanderführerabteilung" und "Berg- und Wintersportabteilung" waren von Anfang an die tragenden Säulen der Ortsgruppe. "Fotoabteilung" und "Musikabteilung" folgten in den Jahren kurz vor und nach dem Kriege.

Irgendwann tauchte dann der Gedanke auf, einen Wanderstützpunkt zu schaffen; durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er zunächst zunichte gemacht! - Vier Jahre „Inferno“ vernichteten blühendes Leben.

Das Inferno des Ersten Weltkrieges war vorbei, die Naturfreunde konnten wieder ihren Idealen nachgehen, wenn auch unter den schweren Bedingungen der Nachkriegszeit. - Der Ruf nach Wanderstützpunkten fand in vielen Ortsgruppen Widerhall. - So sei hier zunächst aufgezeigt, was sich in den Zwanzigerjahren auf diesem Sektor getan hat:

1920 -

Rothenberghaus bei Schnaittach der Berg- und Wintersportabteilung der Ortsgruppe Nürnberg;
erstes Naturfreundehaus in der Fränkischen Alb!

1921 -

Pacht eines Hauses durch die Ortsgruppe Nürnberg am Steinberg bei Hersbruck

1921 -

Ingolstädter Naturfreundehaus bei Konstein

1923 -

Pacht eines Hauses in Frankendorf durch die Berg- und Wintersportabteilung der Ortsgruppe Nürnberg

1924 -

Kelheimer Naturfreundehaus im Hammertal

1925 -

Rohrberghaus der Ortsgruppe Weißenburg

1925 -

Fürther Naturfreundehaus bei Veilbronn

1926 - 

Falkenberghaus der Ortsgruppe Nürnberg


Man sieht, es war zu dieser Zeit ein regelrechter Bauboom!

Nun zurück zu den Aktivitäten unserer Ortsgruppe. 1919 wurde eine Hüttenbaukommission gebildet, denn auch die Ortsgruppe Nürnberg hatte sich zum Ziel gesetzt einen Wanderstützpunkt zu schaffen. Es bot sich schließlich die Möglichkeit, die Volleth'sche Villa auf dem Steinberg bei Hersbruck ab 1. Mai 1921 auf die Dauer von fünf Jahren zu pachten! Diese Villa war als Wanderstützpunkt wie geschaffen.

Steinberg

Am Einweihungstag wurden mit einem Sonderzug 800 Mitglieder und Gäste nach Hersbruck befördert. Die Festgäste füllten Haus und Park. Die Musikabteilung, die sich seinerzeit schon auf einer beachtlichen Höhe befand, sorgte den ganzen Tag über für musikalische Unterhaltung und da es ohne Unterlass regnete, und die Instrumente dieser Witterung nicht ausgesetzt werden konnten, wurde das ganze Orchester auf dem Dachboden untergebracht, von wo aus die Festweisen tönten. Lautsprecheranlagen waren seinerzeit soviel wie unbekannt, auch vom Rundfunk hatte man damals in den breitesten Bevölkerungsschichten noch keine Ahnung. Trotz aller Witterungsunbilden hielten die Festteilnehmer bis zum Abend aus und waren in bester Stimmung! Der Auftakt war verheißungsvoll und mehr als zufrieden stellend.

Da es sich aber um eine Villa handelte, war das Haus nur in begrenztem Umfang aufnahmefähig. Diese Unzulänglichkeiten erkannte die seinerzeitige Verwaltung schon rechtzeitig, denn sie vereinbarte bereits bei Vertragsabschluß die Berechtigung zur Erstellung einer Liegehalle. Bald ging man an die Errichtung eines Schlafhauses, das acht Zimmer und einen Schlafraum enthielt; er sollte hauptsächlich als Unterkunft für die Jugend Verwendung finden. Es war nun Schlafgelegenheit für 120 Personen vorhanden! Dieses Schlafhaus konnte Ostern 1923 seiner Bestimmung übergeben werden. Während der Sommermonate war ständig ein Hauswart anwesend!

Einige Preise aus dem Jahr 1922, bedingt durch die angehende Geldentwertung:

 

Mitglieder

Nichtmitglieder

Aufenthaltsgebühr

1,00 Mark

2,00 Mark

Übernachtung im Zimmer

3,00 Mark

6,00 Mark

Übernachtung im Schlafraum

2,00 Mark

4,00 Mark

Ferienaufenthalt pro Tag

3,00 Mark

6,00 Mark

 

Mit welchen Schwierigkeiten seinerzeit zu kämpfen war, geht wohl am besten aus der Jahresabrechnung 1923 für das Steinberghaus hervor, die mit einem Ausgabenbetrag von 238 088 369 437 142,00 Mark abschließt! 1923 kostete die Maß Bier 500,00 Mark, der Beitrag an die Reichsleitung betrug im Quartal Oktober bis Dezember 5000,00 Mark. Per Gesetz wurde am 13. Oktober 1923 die Rentenmark eingeführt, am 30. August 1924 die Reichsmark!

Welcher Idealismus, Gemeinschafts- und Opfergeist aufgebracht werden musste, um dieses Schlafhaus trotz größter finanzieller Schwierigkeiten doch erstehen zu lassen, das können nur diejenigen ermessen, die die Inflationszeit nach dem ersten Weltkrieg miterlebt haben. Die spätere Generation kann sie höchstens erahnen.

Nicht lange konnten sich die Naturfreunde ungetrübt der Freude hingeben. Die politischen Strömungen zeigten sehr bald, dass nach dem Ablauf des Pachtvertrages nicht mit einer Verlängerung, zumindest nicht mit einer wesentlichen Verlängerung des Pachtverhältnisses oder gar mit einem Kauf des gesamten Objektes zu rechnen war. Die Verwaltung entschloss sich daher noch während der Pachtzeit, unmittelbar neben der Volleth´schen Villa ein Grundstück zu kaufen, auf dem später ein neues Naturfreundehaus entstehen sollte.

3. Der Bau des Falkenberghauses und die Zeit zwischen 1926 und 1933

Wie schon erwähnt, spitzten sich die politischen Gegensätze in Hersbruck so zu, dass die Mehrheit der Verwaltungsmitglieder die Meinung vertrat, an entfernterer Stelle ein Grundstück zu erwerben, auf dem ein neuer Naturfreundestützpunkt entstehen sollte. Zu diesem Zweck wurde am 27.August 1925 ein Hausbau-Ausschuss gebildet, dem der Wanderfreund Hauptlehrer Gebhardt als Vorsitzender sowie die Wanderfreunde Uebeleisen, Hofmann und Georg List angehörten. Dem Wunsch der Mitglieder entsprechend, in der Hersbrucker Schweiz ein günstiges Gelände zu erwerben, konnte Wanderfreund Gebhardt schließlich noch im Jahre 1925 mit der erfreulichen Nachricht aufwarten, dass er einen herrlichen Bauplatz auf dem FALKENBERG bei Artelshofen ausfindig gemacht habe, der in 482 m Höhe liege und dem Gastwirt Brunner in Unterartelshofen gehöre, und: Brunner sei verkaufsbereit! Der Platz wurde von der Verwaltung besichtigt und für die Errichtung eines Naturfreundehauses, insbesondere wegen seiner hervorragenden Lage, als besonders geeignet befunden!

Schließlich führten wiederholte Verhandlungen mit dem Besitzer zum Kauf des Waldgrundstückes „Auf der Wach“, mit einem Ausmaß von 1,079 ha zum Preis von 4121,00 Reichsmark.

Der Vertrag wurde am 28. Januar 1926 beim Notariat in Hersbruck beurkundet. Am gleichen Tag wurde zu Lasten der Eheleute Schwamberger in Unterartelshofen eine Grunddienstbarkeit bestellt, des Inhalts, dass der Touristenverein „Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Nürnberg und seine Rechtsnachfolger berechtigt sind, die auf dem Grundstück der Eheleute Schwamberger entspringenden Quellen, soweit sich diese im Großmeinfelder Graben befinden, zu fassen und dem von Brunner gekauften Grundstück zuzuleiten, zur Leitung des Wassers alle erforderlichen Aufgrabungen vorzunehmen und das Grundstück zum Zweck der Vornahme von Reparaturen jederzeit zu betreten oder betreten zu lassen. Für die Bestellung dieser Grunddienstbarkeit wurden 350,00 Reichsmark bezahlt. Außerdem wurde auch die Grunddienstbarkeit für Zuleitung von Wasser und Strom eingetragen. Weiter wurde festgelegt, dass die Naturfreunde ein Brunnenhaus mit Pumpanlage errichten können. Ausheben


Die Aushebungs-arbeiten beginnen

 

Am 20. Februar 1926 wurde die Bauerlaubnis erteilt. Mit diesen Beurkundungen waren schließlich die Voraussetzungen geschaffen, dass am 21. März 1926 die Baukommission den ersten Arbeitsdienst zu den Aushebungsarbeiten für das neue Unterkunftshaus ansetzen konnte. Der Aufruf zum Arbeitsdienst fand begeisterten Widerhall. Nicht nur die einzelnen Sektionen setzten ihre ganze Tatkraft für diese ideale und große Sache ein, sondern auch die Wanderfreundinnen und -freunde der Gesamt-Ortsgruppe entfalteten eine emsige Tätigkeit für den raschen Aufbau. Galt es doch für uns selbst auf unserer eigenen Scholle einen Stützpunkt zu errichten, der sich den durch andere Ortsgruppen gebauten Häusern würdig einreiht.

Der Idealismus unter den Mitgliedern um die Zeit des Hausbaues geht wohl am eindrucksvollsten aus der Tatsache hervor, dass die Finanzierung durch regen Absatz von Bausteinen gesichert werden konnte. Unsere Wanderfreunde einschließlich der Jugend setzten ihren ganzen Ehrgeiz darein, regelmäßig zum Arbeitsdienst zu erscheinen und mit Hand anzulegen, damit das begonnene Werk möglichst rasch und mit möglichst wenig Kosten vollendet werden konnte. Es kam nicht selten vor, dass sich an einem Sonntag 70 und mehr Mitglieder am Arbeitsdienst beteiligten. Dies war allerdings auch nötig, wenn man bedenkt, dass das ganze Material von der Straße aus auf den Berg manuell befördert werden musste.

 

 

Tragen

Baumaterial wird hochgeschleppt

Selbst das Wasser musste in Eimern so lange getragen werden, bis die Quelle gefasst und die Wasserleitung gebaut sowie die Wasserpumpe beschafft und montiert war. So konnte es auch geschehen, dass von der Straße bis zum Bauplatz eine Kette gebildet wurde, mittels welcher es möglich war, 2000 Backsteine in einem Zug von Hand zu Hand auf den Berg zu befördern. Besonders darf hervorgehoben werden, dass weder Fahrtkosten vergütet, noch unentgeltlich Essen verabreicht wurde. Die einzige Vergünstigung, die die Jugend hatte, war eine 50prozentige Fahrpreisermäßigung bei einer Beteiligung von mindestens zehn Personen.

Erwerbslose Jugendliche stellten sich freiwillig vier bis sechs Wochen zum Arbeitsdienst zur Verfügung und verhalfen auf diese Weise zum Gelingen des Werkes. Maurer aus Hartenstein setzten die Fundamente aus Bruchsteinen.

Grundmauer


Die Grundmauern stehen

 

Der „Konsum“ stellte acht Kraftfahrzeuge unentgeltlich zur Verfügung und man beförderte damit die Teile des zerlegten Schlafhauses, das nach Ablauf des Pachtvertrages mit Frau Volleth wieder abgebrochen werden musste, die Betten, Decken und Geschirr vom Steinberg nach Artelshofen, ferner Zement und Backsteine.

Was die Kraftwagen am Samstag angefahren haben, war am Sonntag an der Baustelle. Nach vorhandenen Aufzeichnungen von Wanderfreund Perlhofer wurden 10 000 Backsteine, 3000 Ziegel, 15 Ztr. Kalk verbaut, 100 cbm Erde ausgehoben, 10 cbm Steine gesprengt, 200 m Wasserleitungsrohre verlegt, 400 m Weg gebaut. Für eine Holzlege wurden zusätzlich 15 cbm und für einen Jugendraum 20 cbm umbaut!

 

Haus 1
Das Falkenberghaus 1926 vor dem Bau der Veranda

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass insbesondere unsere Wanderfreundinnen ihr Möglichstes taten, um dem begonnenen Werk zum Gelingen zu verhelfen. Daran hinderten sie auch nicht die zerschundenen Hände und die müden Glieder an den Sonntagabenden.

Dem harmonischen und uneigennützigen Zusammenwirken aller war es zu verdanken, dass bereits am 19. September 1926 die Einweihung stattfinden konnte. Die Festrede hielt damals Wanderfreund A. C. George, der es in musterhafter Weise verstanden hatte, all das, was uns „Naturfreunde“ erfüllt, in Worten auszudrücken. So in einer Niederschrift: „Alle Mitglieder der Ortsgruppe Nürnberg freuten sich und waren stolz auf ihr Werk, das einer Gemeinschaftsarbeit zu verdanken ist, die seinesgleichen suchen kann.“

Haus 2
Die Veranda wird errichtet

 

Das Haus, das in einer der schönsten Gegenden der Hersbrucker Schweiz steht, war mehr oder weniger als Provisorium gedacht, dem ein größeres und schöneres folgen sollte. Trotzdem fand das Haus regen Zuspruch, sowohl seitens der Mitglieder, als auch anderer Vereine und Organisationen.

Einige Worte zum Ablauf des Baues: Nachdem in mühevoller Arbeit der Grund ausgehoben und die Fundamente gesetzt waren, wurde das Haus zunächst nur so groß errichtet wie das Fundament es zuließ. Anschließend erfolgte der Verandabau, in offener Bauweise, der bereits zur Einweihung fertig war. Am Dach wurden noch Erker eingebaut, um eine bessere Belüftung zu gewährleisten! Später wurde die Veranda mit Schiebefenstern versehen, um den Aufenthalt auch bei schlechtem Wetter zu ermöglichen. Auch das Fehlen eines Kellers machte sich unangenehm bemerkbar. Diesem Missstand wurde mit gleichem Idealismus und Schaffensgeist zu Leibe gerückt, wie beim Hausbau.

 

Haus 3
Einweihung des Falkenberghauses am 19. September 1926

Einige Gedanken noch zum Verlauf der weiteren Jahre: Ein Problem war die Genehmigung zur Errichtung einer Gastwirtschaft. In einem Bescheid vom 18. Juni 1929 heißt es unter anderem: „Die Erlaubnis erstreckt sich nur auf Mitglieder des Touristenvereins ‘Die Naturfreunde’, sowie deren Verwandte auf- und absteigender Linie und deren Geschwister.“

Auf Grund dieses Bescheides lässt sich feststellen, wie viele Räume derzeit zur Verfügung standen. Für die Gastwirtschaft kamen folgende Räume in Betracht: Neben dem Aufenthaltsraum vier kleine Fremdenzimmer mit je zwei Betten, im Dachgeschoß ein Männerschlafraum mit zwölf Betten, ein Frauenschlafraum mit sechs Betten und ein Jugendschlafraum mit acht Betten.

Die Genehmigung war mit folgenden Auflagen verbunden: „Der Frauenschlafraum ist mit einem separaten Zugang zu versehen. Die Küchenabwässer sind in eine Sickergrube zu leiten!“. Der Widerspruch zu diesem Bescheid (Ausschank auch für fremde Gäste) wurde niedergeschlagen mit der Begründung: „Für durchkommende Wanderer sei kein Bedarf vorhanden; in den Orten Vorra und Artelshofen ist mit 9 Gasthäusern ausreichend Möglichkeit vorhanden!“

Einige Worte zu den Finanzen: Um Engpässe zu überwinden wurde am 13. Oktober 1927 ein Darlehen in Höhe von 5000,00 Goldmark aufgenommen! In der Weiterführung der Bewirtschaftung wurde mit der Lederer Bräu AG ein Vertrag abgeschlossen, die die Bestuhlung zur Verfügung stellte. Zu gleicher Zeit wurde von derselben ein Darlehen in der Höhe von 3000,00 Goldmark für fünf Jahre aufgenommen (27. September 1929). Außerdem wurde der Gastwirt Brunner verpflichtet, den Biertransport zum Haus gegen geringes Entgelt zu übernehmen.

Der Kopf war voller Pläne, mit einem Wort, man war rundum zufrieden und dachte schon über neue Pläne nach. Dann kam das schicksalsschwere Jahr 1933!

4. Das Falkenberghaus in den Jahren 1933 - 1945

Kaum hatte die NSDAP die Macht in Deutschland übernommen, wurde das Gesamtvermögen des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ beschlagnahmt! So auch das Falkenberghaus! - Die Beschlagnahme erfolgte willkürlich, gleich nach der Machtübernahme. Die Parteigenossen der neuen Machthaber und ihre Gesinnungsgenossen müssen schon in den Startlöchern gestanden sein!

Der schriftliche Bescheid erfolgte erst am 21. Februar 1935, also zwei Jahre danach: „Der Touristenverein „Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Nürnberg wird hiermit in Kenntnis gesetzt, dass das Anwesen Nr. 69 in Artelshofen, im Eigentum desselben, an die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei abgetreten wurde. Dies wird nachträglich zum 1. Januar 1933 rechtskräftig.“

Es folgte am 9. Dezember 1937 ein Schreiben betreffs Gewährung von Entschädigungen bei der Einziehung oder dem Übergang von Vermögen: „Eingliederung: Kommunistisches, sonstiges marxistisches, volks- und staatsfeindliches Vermögen wird hiermit eingezogen.“ Der Begriff Entschädigung wird wohl nur pro forma eingefügt worden sein. Zwischen den Zeilen kann man lesen, dass Staatsfeinde nichts zu erwarten hatten. 40 ausschweifende Paragraphen umfasst dieses Dokument!

Die Naturfreunde-Bewegung war verboten. Das Falkenberghaus wurde Schulungsheim der SA, später HJ-Unterkunft, bis es mit Wirkung vom 25. Oktober 1935 an den Gau Franken des Reichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen überging. Von diesem wurde es an den „Fränkischen Albverein“ übereignet. In diesem Verein fanden auch etliche Naturfreunde-Mitglieder Unterschlupf!

Viele Naturfreunde gingen auf Grund ihrer Gesinnung durch eine schwere Zeit. Mancher opferte sein Leben! Das „Große Völkermorden“ raffte die Menschen, ob an der Front oder in der Heimat, sinnlos dahin. Viele begeisterte Naturfreunde kamen nicht mehr zurück um ihren Idealen zu leben! - Gottseidank fand 1945 das „Tausendjährige Reich“ sein Ende und die Menschen konnten wieder hoffen!

Diese zwölf Jahre haben der Arbeiterbewegung mindestens 40 Jahre gekostet, denn viele Mitglieder, die beim Fränkischen Albverein und anderen bürgerlichen Vereinen Unterschlupf gefunden haben, fanden nicht mehr den Weg zurück zu den Naturfreunden!

5. Das Falkenberghaus nach dem Zweiten Weltkrieg, die Zeit von 1945 bis 1970

Der Zweite Weltkrieg war zu Ende. - Der Naturfreunde-Gedanke hatte auch diese Zeit überlebt! Anfang 1946 wurde die Ortsgruppe Nürnberg, nach eingeholter Erlaubnis bei der Militärregierung, wieder gegründet! Nun begann der Kampf um das Besitztum vor 1933. Durch den Faschismus waren den Naturfreunden über 250 Häuser und dergleichen mehr genommen worden. Sogleich nach dem Kriege bemühten sich Naturfreunde, wieder in den Besitz ihres rechtmäßigen Erbes zu gelangen.

Diese Initiativen stießen jedoch auf große Schwierigkeiten. Bisweilen waren die Häuser mit Flüchtlingen belegt, meistens jedoch waren Vereine, Gruppen oder auch Einzelpersonen, die nach 1933 in den Besitz der Naturfreundehäuser gelangt waren, nicht bereit, diese freiwillig wieder herzugeben. - Einen Gleichklang finden wir in der heutigen Zeit wieder: Im Zuge der Wiedervereinigung (1989) ist es in vielen Fällen noch schwieriger, denn es liegen ja über 50 Jahre Diktatur dazwischen.

Nun zurück zur Zeit nach 1945: Es kam zu einem über 15 Jahre währenden Kampf um die Rückerstattung der Häuser, sowie der Vereinsvermögen. - Die politische Grundlage für dieselbe war durch die Kontrollrats-Direktive Nr. 50 gegeben, die sich auf das Vermögen der National-sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und deren Nebenorganisationen bezog. - Am 10. November 1947 erließ die Amerikanische Militärregierung das Gesetz Nr. 5982, das die gesetzliche Grundlage für die Rückgabe der Vereinsvermögen bildete. Es galt, das Besitztum zurück zu gewinnen! Zunächst musste ein Grundbuchauszug beigebracht werden, der die Glaubwürdigkeit verbriefte, über das Besitzrecht der Ortsgruppe Nürnberg. Bereits Mitte 1946 konnten Verhandlungen aufgenommen werden.

In einem Grundbuchauszug vom 26. Juni 1946 wurden die Besitzrechte festgestellt für das Falkenberghaus mit all seinen Liegenschaften, eingetragen die Schuldenlast aus den Jahren vor 1933, außerdem der Besitz der Grundstücke am Steinberg bei Hersbruck. Wanderfreund Ludwig Deuerling aus Hersbruck war als Treuhänder für die Jugendherberge Artelshofen (Falkenberghaus) eingesetzt. In einem Schreiben wurde bestätigt, in welch bedauernswerten Zustand das Naturfreundehaus war. Es wird um die Bereitstellung von Backsteinen, Dachziegeln und Fensterglas gebeten, um wenigstens den Betrieb wieder aufnehmen zu können!

Unter treuhänderischer Verwaltung konnten die Naturfreunde, lange vor der gesetzlichen Rückgabe, das Haus herrichten bzw. in Betrieb nehmen. - Natürlich unter größten Mühen! - Noch waren monatliche Abrechnungen, Einnahmen und Mietzins fällig, die an das Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung abgeführt werden mussten, das Haus gehörte ja offiziell noch nicht uns. Bereits am 3. Juni 1947 erfolgte ein Antrag auf Rückgabe des Naturfreundehauses in Artelshofen. Es erging folgender Bescheid: „Über ihren Antrag kann erst entschieden werden nach Erlass der gesetzlichen Bestimmungen.“ Die Vereinsleitung war also rechtzeitig am Ball!

Nach Vorbereitung der Übertragungs-Urkunde am 11. August 1948 in München wurden am 18. September die offiziellen Übertragungsverhandlungen am Falkenberghaus geführt. Diese wurden am selbigen Tage unterzeichnet: Georg Wolf, ein Beamter der Vermögensverwaltung, sowie der Treuhänder Wanderfreund Ludwig Deuerling; seitens des Vereins der Ortsgruppen-Vorsitzende Marius Schulze und der derzeitige Hausreferent Ludwig Rohlederer. Am 11. November erfolgte dann der beglaubigte Bescheid aus München. Damit war aber die Sache noch nicht abgetan. Am 23. November 1949 wurden laut Abschrift die Lasten festgestellt. Diese Lasten, die 1933 von den Nazis übernommen wurden, waren trotz geltender Abtragungsziele nicht getilgt; teilweise waren sie bereits vor der Zeit abgetragen aber nicht gelöscht. Erst im Juli 1953 war die Angelegenheit bereinigt.

Einige Gedanken noch aus der Sicht des Vereins: Als das Falkenberghaus 1946 wieder in unsere Nutznießung überging, da befand es sich in einem Zustand, der als baufällig bezeichnet werden musste. Die Stützbalken waren abgefault, so dass das Haus einzustürzen drohte. Die dem Berg zugekehrte Grundmauer war vom Hausschwamm befallen. Der Ofen war völlig unbrauchbar, der Waschraum in einem schauderhaften Zustand und der größte Teil des Mobiliars verschwunden. Decken und Matratzen befanden sich, soweit noch vorhanden, in einem bejammernswerten Zustand.

Unterschrift
Übergabe des Falkenberghauses
am 18. September 1948
(stehend v.l.: Fr. Deuerling, Konrad Dummert, Fr. Rohlederer, Adolf Fröhlich;
sitzend v.l.: Ludwig Rohlederer, Marius Schulze, H. Wolf, H. Deuerling)

 

Die damalige Vereinsleitung hatte mit der Übernahme dieses Hauses auch einen großen Berg von Sorgen übernommen. Sie war sich darüber im klaren, dass zunächst Maßnahmen getroffen werden mussten, um das Haus vor dem völligen Verfall zu retten. Dies war jedoch bei der allseits bekannten Material- und Geldknappheit äußerst schwierig. Das ganze Haus wurde schließlich mit einer Eisenkonstruktion unterfangen, abgestützt und so vor dem Verfall bewahrt. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht Wanderfreunde in uneigennütziger Weise für die Beschaffung des Materials gesorgt hätten und wie so oft selbst Hand angelegt hätten!

Ein neuer Ofen wurde gesetzt und durch einen Heizschacht mit dem Damenschlafraum verbunden; er sorgt bei kalter Witterung für behagliche Wärme, sowohl im Aufenthaltsraum, als auch im Schlafraum. Vier Zimmer wurden wieder eingerichtet und die alte Wasserpumpe, die ihren Dienst versagte, durch eine neue ersetzt. Das schadhafte Dach wurde erneuert und neue Decken und Matratzen beschafft. Kurz, das Haus erfuhr unter Aufwendung erheblicher Geldmittel eine Instandsetzung, die es ermöglichte, den Betrieb wieder aufzunehmen. - In dieser Zeit wurde auch ein Darlehen von 1000,00 DM aufgenommen. - Leider musste im Zuge der Erneuerung, besonders durch das Ausbleiben der Wiedergutmachung, im Januar 1950 das Grundstück am Steinberg bei Hersbruck verkauft werden!

Nachdem das Haus soweit wieder hergestellt war, fand am Sonntag, den 14. Juni 1953, aus Anlass des 25jährigen Bestehens eine Jubiläumsfeier statt. Ein Sonderzug brachte die Gäste nach Vorra. Am Vormittag fand ein Festakt statt. Der Nachmittag wurde in heiterer Weise von den Untergruppen der Ortsgruppe gestaltet.

 

60er Jahre
Das Falkenberghaus mit eingebauter Veranda;
ein Bild aus den Sechzigerjahren

In den folgenden Jahren war es schwierig, die Substanz des Hauses zu erhalten. Es fehlte zunehmend an Mitarbeitern und Hausdiensten. In den Sechzigerjahren wurde dann nochmals ein großer Plan aufgeworfen. Ein vollkommener Neubau sollte entstehen, mit den Ausmaßen im Grund von 14,5 m x 41 m! - Im Kellergeschoß sollte alles untergebracht werden, was zur Bewirtschaftung des Hauses nötig war. Im Erdgeschoß sollten Wirtschafts- und Unterkunftsräume, sowie die Wohnung des Pächters sein, an zwei Seiten mit einer Terrasse umgeben. Im 1. Stock waren 18 Zimmer mit insgesamt 34 Betten vorgesehen, im Dachgeschoß nochmals 12 Zimmer mit 25 Betten! Diese Sache hat sich aus finanziellen Gründen zerschlagen. - Aus heutiger Sicht dürfen wir froh sein, denn Pachtobjekte sind selten ein Spiegelbild echter Naturfreunde-Arbeit.
So gingen die Jahre dahin, ohne nennenswerte Höhepunkte am Haus, ausgenommen natürlich die alljährlichen Sonnwendfeiern. Noch einmal rückte zum 40jährigen Jubiläum das Haus etwas an die Öffentlichkeit (10. September 1967).

Es machte sich mehr und mehr die Überalterung, durch den Krieg bedingt bemerkbar, so dass sich die Leitung der Ortsgruppe Nürnberg entschloss, das Haus an die damalige Abteilung „Frankenland“, eine verhältnismäßig junge Gruppe zu übergeben!

6. Das Falkenberghaus in den Jahren nach 1970

„25 Jahre Frankenland“ - im Dienst des Falkenberghauses
Bereits 1969 liefen die Vorverhandlungen zur Übernahme des Falkenberghauses durch die Gruppe „Frankenland“, einer Abteilung der Ortsgruppe Nürnberg. Am 20. Februar 1970 wurde die Übergabe verwaltungsmäßig besiegelt und am Samstag/Sonntag, den 11./12. April, folgte die Besitzübernahme in Artelshofen!

Es lag eine gewaltige Arbeitsaufgabe vor uns! Viele Arbeiten, die dringend notwendig waren, mussten gemacht werden. Zunächst galt es aber erst einmal, die Lage zu sondieren. - Der Betrieb lief weiter wie gehabt, mit der Einschränkung, dass das Haus nur von April bis Oktober und nur an Wochenenden und Feiertagen geöffnet war. Als größere Veranstaltung wurde weiterhin die traditionelle Sonnwendfeier durchgeführt.

Nach reiflichen Überlegungen wurde im Frühjahr 1974 ein Plan erstellt und eingehend diskutiert. Er sah die Erweiterung des Naturfreundehauses vor und sollte nach und nach verwirklicht werden. Im einzelnen war folgendes vorgesehen: Das Kellergeschoß, gleich mit den heutigen Waschräumen und der Küche, sollte eine Erweiterung erfahren. Eine Küche mit 21 qm und ein Vorratskeller mit 12 qm, sowie ein Treppenaufgang sollten hier untergebracht werden. Die gesamte Baumaßnahme im Kellergeschoß war auf eine Größe von ca. 63 qm ausgelegt. Im Erdgeschoß, gleich mit den heutigen Zimmern und dem Aufenthaltsraum, war vorgesehen, drei Zimmer mit je 11 qm einzurichten, daneben wieder der Treppenaufgang und vor allem das Allerwichtigste: Der Neubau der Toiletten - Gesamtfläche ca. 92 qm. Im Dachgeschoß sollten nochmals zwei Zimmer erstellt werden, mit Flur ca. 46 qm. Nach der reinen Nutzflächenberechnung hätte sich eine Erweiterung von ca. 133 qm ergeben.

Im selben Jahr bahnte sich auch Entscheidendes im Leben der Ortsgruppe Nürnberg an. Auf ehrenamtlicher Basis war die Ortsgruppe einfach nicht mehr zu verwalten; es fanden sich auch die Mitarbeiter nicht mehr dazu. - Es waren immerhin vier Heime zu betreuen. Reichelsdorf war damals schon eine selbständige Ortsgruppe! - So entschloss man sich, die Ortsgruppe zu teilen. Es entstand am 28. Februar 1975 die Ortsgruppe „Nürnberg-Nord“, die das Falkenberghaus zu betreuen hatte, weiterhin im Laufe des Jahres die Ortsgruppe „Nürnberg-Süd“ mit dem Rothenberghaus, die Ortsgruppe „Nürnberg-Mitte“ mit dem Heim an der Adolf-Braun-Straße (Fuchsloch) und die Ortsgruppe „Nürnberg-Eibach“ mit dem Heim an der Castellstraße.

Von nun an lag die volle Verantwortung für das Falkenberghaus in den Händen der Ortsgruppe „Nürnberg-Nord“ (Frankenland) e.V.! Es wurden die ersten Entscheidungen getroffen über den Ablauf der vorgesehenen Arbeiten und der Verwirklichung der Pläne in folgender Reihenfolge:

1. Die Klärgrube
2. Die Dachstuhl-Erneuerung mit Neugestaltung der Schlafräume im Dachgeschoß
3. Die Stufe 1 des Neubaues: Bau der Toiletten, Grundaushebung des Kellergeschosses mit Verrohrung und Grundbetonierung.

All dies wurde vereinbart mit der uneingeschränkten Möglichkeit eines Weiterbaues nach den erwähnten Plänen. - Es sollten auf keinem Fall Schulden gemacht werden! Im Frühjahr 1976 wurde als Erstes die Klärgrube fertig gestellt.

Außerdem waren in diesem Jahr noch große Feierlichkeiten angesagt:
„1000-Jahrfeier in Artelshofen“

Im Rahmen einer Festwoche vom 3. bis 12. September zeigte Artelshofen alles, was es zu bieten hat! - Unter Mitarbeit im Festausschuss, mit Beisteuerung eines Wanderprogramms, gelang es uns, beste Kontakte zur Bevölkerung zu knüpfen! Auch ein „Bezirkstreffen“ der Naturfreunde wurde durchgeführt!

Aus dem Programm:

3.9.   Eröffnungsabend unter Mitwirkung von German Hofmann und seinem Ochsenfurter Blasorchester sowie Marianne und Michael
4.9.   Wanderungen von den Naturfreunden geführt
5.9.   Großer Festzug
11.9. Festabend mit Grußworten und Unterhaltung

Nun wieder zurück zum Geschehen um das Falkenberghaus: Das Dach erforderte dringend Erneuerung. Auf Grund des Zustandes entschloss man sich, den Dachstuhl als Erstes in Angriff zu nehmen. Die Erker waren vollkommen vermorscht, sie wurden durch Dachfenster ersetzt. Im gleichen Atemzuge wurde das Dachgeschoß vollkommen neu ausgebaut, isoliert und verschalt.

So waren innerhalb kurzer Zeit zwei wichtige Arbeiten erledigt worden, vor allem sichtbare Arbeiten! Denn alles vor dieser Zeit waren Grabungsarbeiten, Kanal- und Kabelverlegungen, von welchen man nachher nichts mehr sieht!

Dachboden
Der Dachboden wird ausgebaut

 

In der weiteren Entscheidung zu den Baumaßnahmen stand der Neubau der Toiletten auf der Tagesordnung. So waren die Jahre 1976 bis 1980 ausgefüllt mit der Erstellung der Klärgrube, dem Ausbau des Dachgeschosses mit den Schlafräumen und dem Neubau der Toiletten. Viele Arbeitsstunden waren nötig, um vom finanziellen Standpunkt aus Geld zu sparen. Wurde doch die gesamte Isolierung, Verschalung und Neugestaltung des Dachgeschosses in Eigenarbeit gemacht, außerdem die gesamten Installateurarbeiten und das Fliesen der Toiletten. Nicht zu vergessen, es mussten die gesamten Zuleitungen aus der Selbstkocherküche, den Waschräumen und der Küche zum neuen Kanal der zur Klärgrube führt verlegt werden. So war doch mit dem Abschluss der vorgenannten Arbeit ein Kostenaufwand von 40000,00 DM angefallen, wobei für den Bau der Toilettenanlagen ein Zuschuss von der Stadt Nürnberg in Höhe von 10000,00 DM lobenswert erwähnt werden muss!

Im Frühjahr 1982 traf uns eine Hiobsbotschaft: Unsere hauseigene Quelle förderte ungenießbares Wasser; so musste auf schnellstem Wege der Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung vollzogen werden. Leider hatte es die vorherige Leitung des Hauses versäumt, bei dem allgemeinen Anschluss mitzuziehen. Damals wäre ein Betrag in Höhe von 2000,00 DM fällig gewesen, wir mussten dafür 22000,00 DM aufbringen!

Wasserversorgung und Stromversorgung, das war das leidige Thema der kommenden Jahre. Da nützten alle Pläne für einen Umbau des Erdgeschosses nichts, denn ohne Wasser und Strom geht es eben nicht! So wurde im Herbst 1983 die Entscheidung getroffen, die Stromleitung zu erneuern. Sie war einfach überlastet und entsprach absolut nicht mehr den Gegebenheiten.

 

Kabel
Der Graben für die neuen Leitungen wird vorbereitet

Um die Sache in einem Atemzuge durchzuziehen entschloss man sich, auch gleich die Wasserleitung zu erneuern. Das Telefonkabel kam dann als Zugabe dazu!

In einem großen Arbeitseinsatz, über 2000 Stunden, wurden ab März 1984 die Grabungsarbeiten durchgeführt. Jede Woche waren 15 bis 20 Wanderfreunde tätig. Die Frauen sorgten für das leibliche Wohl! Ein trockenes Frühjahr erlaubte es uns, zügig voranzukommen. Meter für Meter, 180 Meter in der Länge und 1 Meter tief, wurde aufgegraben und mit Sand verfüllt für die Verlegung der Leitungen. Durch die Nutzung des alten Leitungsgrabens waren wenigstens keine Sprengarbeiten nötig. Für die Zeit vom 27. April bis 1. Mai war ein besonderer „Gag“ vorgesehen: „Vier Tage freie Verpflegung am Falkenberghaus“. - Natürlich stand im Hintergrund ein „großer Arbeitsdienst“.

Am Sonntag, den 29. April war es dann soweit. Noch am Abend standen ca. 30 Arbeitskräfte bereit, um das Werk der Verlegung zu vollenden. Oben an den Kabelrollen standen die Frauen, im Graben war alle fünf Meter ein Mann postiert. - Es war einfach ein tolles Bild der Gemeinschaftsarbeit. - Auch zum Zuschütten des Grabens hatten wir noch Glück. Lediglich am letzten Wochenende, als die Arbeit ihrer Vollendung entgegensah, regnete es und wir bekamen einen kleinen Beigeschmack, was uns bei feuchter Witterung geblüht hätte: Jede gefüllte Schaufel war einen halben Zentner schwer. Auch das ging zu Ende und wir konnten stolz sein auf die geleistete Arbeit, wie schon so manches Mal unsere Altvordern!

Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch eine neue Pumpe installiert. Weiterhin konnte über die Zeit hinweg am Haus eine Werkstatt, ein Lagerschuppen und ein Musikpodium mit untergebautem Schießstand fertig gestellt werden! Nachdem dies alles erledigt war, konnte man sich an den langgehegten Umbau und die Renovierung des Erdgeschosses heranwagen.

Viel haben wir schon am Falkenberghaus geleistet, aber mit der Renovierung des Erdgeschosses hatten wir uns wohl den größten Brocken vorgenommen. Eigentlich waren die erforderlichen Baupläne schon seit 1983 genehmigt, aber durch die notwendig gewordene Neuverlegung der Strom- und Wasserleitung mussten wir noch warten. Im Herbst 1985 erhielten wir dann die Zuschussgenehmigung vom Ministerium und wir konnten loslegen.

Bis Juli 1986 ist das Naturfreundehaus für die Öffentlichkeit geschlossen. Noch einmal stehen die Mitglieder der „Frankenland“ mit voller Kraft hinter diesem Projekt. 5000 freiwillige Arbeitsstunden werden im Verlauf dieser Baumaßnahme geleistet.

Drei wichtige Faktoren dürfen wir bei dieser Baumaßnahme nicht außer acht lassen:

Hier ist in allererster Linie der große freiwillige Arbeitseinsatz unserer Mitglieder zu nennen, Männer und Frauen sind voll im Einsatz. Fast jeden Samstag und an vielen Sonn- und Feiertagen wird geschuftet. Viel Freizeit wird geopfert, was in der heutigen Zeit nicht hoch genug angerechnet werden kann. 1986 wird ein schweres Jahr, aber auch im Jahre 1987 ist noch viel zu tun, denn in diesem Jahr soll ja "60-Jahre-Falkenberghaus" gefeiert werden. Viel Arbeit haben wir uns aufgeladen, aber wer heute das Haus betrachtet, muss zugestehen: Es hat sich gelohnt!

Als Zweites, aber nicht minder ausschlaggebend, ist die Arbeit unseres Wanderfreundes Kamberger zu erwähnen. - Da haben wir schon das große Los gezogen. Er übernimmt die Bauleitung mit unbedingter Fachkompetenz. Besonderer Dank gebührt ihm auch für die Verfügungsstellung von Werkzeugen, Geräten und Transportmitteln.

Der dritte Faktor ist wohl der Finanzielle! Wird doch auch diese Baumaßnahme vom Staat mit 7200,00 DM bezuschusst, so dass auch diese Maßnahme über die Bühne geht, ohne Kredit aufzunehmen. Die gesamten Türen und Fenster werden gespendet!

Umbau 1
Es wird gründlich renoviert, nur das Fachwerk bleibt stehen

 

Nun zur Arbeit selbst: Türen und Fenster, ja sogar Wände und Fußböden, werden herausgerissen. Wüst sieht es aus im Falkenberghaus. Und schon gibt es die ersten Schwierigkeiten: Die Balken und Stützen des Fachwerkes sind teilweise morsch, der große Unterzug in der Mitte des Hauses hat sich um 10 cm durchgebogen. Also tauschen wir große Teile des Fachwerkes aus und unterstützen den Balken mit einem Stahlträger von fünf Metern Länge. Dadurch verlieren wir viel Zeit. Neue Fußböden werden eingebaut oder aufgedoppelt. Die Außenwände werden mit Ytong-Steinen ausgemauert, mit Rollisol gedämmt und innen mit Rigips-Platten, außen mit Brettern verkleidet. Neue Türen und Fenster mit Isolierverglasung ergänzen das "Neue Bild" des Hauses.

 

Umbau 2
Das Fachwerk wird mit Ytong-Steinen ausgemauert

Beachtliche Mengen Material werden verbaut. Etwa 1000 Ytong-Steine, 200 Kalksteine, 800 kg Zement, 400 kg Baukleber, 700 kg Ansetzgips, 7,5 cbm Beton, 1000 m Kanthölzer, 110 lfdm Dielen, 800 qm Bretter und 100 qm Spanplatten werden verarbeitet, um das Erdgeschoß fertig zu stellen. Dazu kommen noch 300 qm Rollisol, 400 qm Gipskartonplatten, 500 qm Teerpapier, sowie 700 m Stromkabel und viele tausend Nägel, Klammern, Schrauben und andere Kleinteile!

Dabei wird die Raumaufteilung gründlich geändert. Den Zugang verlegen wir an die Rückfront des Hauses. Man kommt jetzt zu den Toiletten ohne ins Freie zu müssen, zur Küche im Kellergeschoß gibt es eine Treppe und aus den fünf Zimmerchen werden drei Zimmer. Die elektrische Installation wird fast im ganzen Haus erneuert. Auch die beim Einbau des Stahlträgers beschädigten Waschräume werden selbstverständlich wieder hergerichtet. Zusätzliche Arbeit entsteht durch Probleme bei der Anlieferung des Materials und so ganz nebenbei wird die Zufahrtstraße befestigt.

Nach getaner Arbeit ist gut feiern und so bietet sich ganz von selbst die "60-Jahrfeier des Falkenberghauses" an! Sie findet am 6. September 1987 mit folgendem Ablauf statt:

9.30 Uhr:   Bergandacht, begleitet vom Posaunenchor und Männergesangverein Artelshofen
11.00 Uhr: Frühschoppen mit der Feuerwehrkapelle Happurg
14.00 Uhr: Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden, Festansprache durch unseren Schirmherrn und Grußworte der Organisationen

Dazwischen gibt es Einlagen von unserem Wanderfreund und Musikant Kurt Knippschild, danach spielt die Feuerwehrkapelle Happurg. Alle Redner würdigen die getane Arbeit und vor allem kommt immer wieder das gute Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung zum Ausdruck!

60 Jahr Feier
Die 60-Jahrfeier des Falkenberghauses

 

Der Alltag war wieder zurückgekehrt, noch gab es viel zu tun. In den Jahren 1988 und 1989 wurden die Waschräume ausgebaut und ein Kachelofen im Aufenthaltsraum gesetzt. - Von nun an gab es wieder wohlige Wärme im Aufenthaltsraum während kühler und kalter Tage! - Die Waschräume sind schon ein Schmuckkästchen geworden; die Installationsarbeiten und auch das Fliesen wurde in Eigenarbeit geschafft!

1990 bis 1993, auf vier Jahre verteilt, wurde dann die nächste größere Arbeit durchgeführt. Die Heizung in der Küche wurde erneuert, verbunden mit Warmwasseraufbereitung, damit die Waschräume und Zimmer geheizt werden können. Die Stützmauer wurde neu errichtet und der Weg an der Nord- und Ostseite des Hauses mit Verbundsteinen neu ausgelegt! Die Abrundung brachte dann noch die Neuanlegung des Spielplatzes!

Winter 1994/95: Die Zufahrtstraße vom Parkplatz zum Haus wurde in Auftrag gegeben. Lieferanten und vor allem auch den Hausdiensten war es nicht mehr zuzumuten, mit dem Auto zum Haus zu fahren. Die Trasse dazu wurde in Eigenarbeit geschlagen, so dass die Baumaschinen ungehindert arbeiten konnten.

Viel ist geschafft und vieles gibt es noch zu tun! - An einem Haus hört halt die Arbeit niemals auf. Um nur das Wichtigste zu nennen: Die Kanalisation ist wohl der größte Brocken. In Eigenarbeit ist hier wohl nichts mehr zu machen, denn die Freunde sind alle um 25 Jahre älter geworden, der genügende Nachwuchs an jungen Freunden ist eben nicht vorhanden. Der Ausbau der Küche steht an, desgleichen sind noch viele Arbeiten im Umfeld zu tun!

So können wir zum Schluss Bilanz ziehen:

In den letzten 25 Jahren hat das Falkenberghaus ein neues Gesicht erhalten, wenn auch der Grundcharakter erhalten blieb! Mit einer Summe von 20000,00 DM haben wir das Naturfreundehaus übernommen und heute können wir schon mit etwas Stolz feststellen, dass in dieser Zeit ca. 250000,00 DM investiert wurden und das ohne Kreditaufnahme. 70000,00 DM entfallen hiervon auf Staatszuschüsse und Zuschüsse von der Stadt Nürnberg. Das alles wäre ohne folgenden Dreiklang nicht möglich gewesen:

Erstens: Die Bereitschaft der Mitglieder, Hausdienste zu machen, um überhaupt den Betrieb zu gewährleisten. - Sind doch in dieser Zeit mindestens 30000 Stunden zusammengekommen, die die Mitglieder für die Allgemeinheit zur Verfügung stellten. Der Schlüssel dazu: 25 Hausdienste pro Jahr mit je zwei Personen und das zwei Tage á 12 Stunden Bereitschaft.

Zweitens: Die Bereitschaft der Mitglieder, ihre volle Arbeitskraft an den Arbeitsdiensten zur Verfügung zu stellen. - Auch hier werden wohl mindestens 20000 Stunden angefallen sein, die vielen Nebenarbeiten nicht mit eingerechnet!

Dank ist vor allem aber auch den Verwaltungsmitgliedern zu zollen, die in all den Jahren die Vorarbeit, die Organisation und die Nacharbeit geleistet haben. In vielen Sitzungen mit heißen Diskussionen um das Falkenberghaus haben sie zusätzlich viele Stunden geopfert!

Hiermit möchte ich diese Niederschrift abschließen, sie hat absolut nicht den Anspruch auf Vollständigkeit! Sie ist entstanden aus eigenen Recherchen, unter Zugrundelegung von Unterlagen aus dem "Nord-bayerischen Wanderer" vor 1933, aus "Wandert mit uns" nach 1948 und durch Zeitzeugen!

Nürnberg im Mai 1995    Rudolf Ammon

 

1. Januar 2015 - ein  neues Kapitel wird aufgeschlagen

Die Sektion Erlangen des Deutschen Alpenverein e.V. übernimmt das Falkenberghaus

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