„Ich will raus und dir zeigen, wie gut ich bouldern kann!“ Luka ist aufgeregt – und ohnehin schon ein richtiger Zappelphilipp. „Ich bin zu schlapp, ich kann heute nicht klettern“, jammert Levin hingegen.

Die Leiterinnen des inklusiven Kletterkurses, den der DAV Erlangen in der vergangenen Sommersaison nun schon zum zweiten Mal angeboten hat, haben alle Hände voll zu tun, um erstmal Ruhe zu schaffen. Sechs Jungs – ein weiterer sowie zwei Mädchen fehlen leider beim letzten Kurstag – mit und ohne Einschränkungen, mit mehr oder weniger Deutschkenntnissen, im gemeinsamen Sportkurs unter einen Hut zu bekommen ist nicht so einfach. Die Trainerinnen Claudia und Romy strahlen jedoch eine wohltuende Ruhe aus, greifen durch, wenn es zu wild wird, aber lassen auch mal die eine oder andere Situation laufen, um sich einem Kind besonders zu widmen.

Erstmal ankommen, bevor es losgeht

Bevor es an die Boulderwand geht, ist ankommen angesagt: Wie war’s in der Schule? Wie läuft’s zu Hause? Warum tut der Fuß weh? Warum bist du müde? Freust du dich auf die Ferien? Romy geht auf die Jungen ein, kommt mit ihnen ins Gespräch. Außerdem ist bei diesem letzten Termin vor den Sommerferien ein kleines Resümee angesagt, das bei den einzelnenTeilnehmern sehr unterschiedlich ausfällt. Levin gefiel es in der kultigen Boulderhalle am besten, Rafael würde am liebsten nur Seilklettern und endlich seinen Vorstiegsschein machen, Luka tobt sich mit Vorliebe am Boulderpilz aus. Dennoch kamen im vergangenen halben Jahr alle auf ihre Kosten – auch wenn die Motivation durchaus auch mal zu wünschen übrigließ.

„Für mich ist das eine Kindergruppe wie jede andere“, sagt Romy. Alle hätten ihren ganz eigenen Charakter und verschiedene Eigenheiten, jeder hat seine Stärken und Schwächen – wie in Kursen mit lauter nichtbehinderten Kindern auch. „So anders ist das gar nicht.“ Hier wie dort gibt es stärkere und schwächere Kletter*innen. Rafael zum Beispiel steigt schon Routen vor, während Levin, Luka und Serki sich lieber aufs Topropeklettern beschränken. Robert hat muskuläre Probleme – für ihn sind schon zwei Meter in die Höhe eine beachtliche Leistung!

Die Betreuung ist individuell und persönlich

Entsprechend motivieren, helfen und trösten Romy und Claudia, individuell auf jedes Kind eingehend. Sie schlichten, wenn Streit ausbricht, können auch streng sein, finden jedoch immer das richtige Maß.

„Es ist schön, dass er hier mit Gleichaltrigen zusammen ist“, sagt Levins Vater, der während des Kurses selbst ein wenig bouldert. „Wir sind auch in der Parasportgruppe, aber hier passt das vom Alter her einfach besser.“

Zudem lernen und profitieren die Kinder voneinander – ob sie es nun bewusst wahrnehmen oder nicht. Sie müssen kommunizieren, auf Augenhöhe miteinander umgehen, aufeinander eingehen, Rücksicht nehmen und vor allem: einander vertrauen. Schließlich klettern die Kinder nicht nur, sie lernen auch zu sichern. Und seinem Sicherer legt man sein Leben in die Hände. „Es wäre noch besser, wenn sie in genau dieser Gruppe zusammen weitermachen würden. Mal sehen, wie der Kurs im Winterhalbjahr aussieht,“ ist Romy gespannt.

Neuer Kurs ab Herbst: Anmeldung ab 17. September

Denn ab Herbst startet der inklusive Kurs, der inzwischen mit dem EISs-Gütesiegel (Erlebte Inklusive Sportschule) des Sportverbands für Para, Reha und Inklusion (BVS) ausgezeichnet wurde, wieder. Anmelden kann man sich hier ab Mittwoch, 17. September, 7 Uhr.

Eine bunte Truppe: Der inklusive Kletter- und Boulderkurs des DAV Erlangen. Foto: K. Brock