Vom 18. bis 22. Juni 2025 fand in Waischenfeld die 63. Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (VdHK) statt. Die Veranstaltung brachte Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher aus ganz Deutschland und darüber hinaus zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse und gemeinsame Projekte auszutauschen.

Die Tagung wurde von der Höhlengruppe der DAV Sektion Erlangen organisiert und bot neben der Hauptversammlung ein vielfältiges Programm aus Vorträgen, Exkursionen, Workshops und geselligen Aktivitäten.

Zukunftsweisender Schwerpunkt

Im Gegensatz zu früheren Tagungen, die oft unter dem Zeichen neuer Forschungsergebnisse, verbesserter Messtechniken und technischer Innovationen standen, setzte die 63. Ausgabe einen bewussten inhaltlichen Schwerpunkt: „Kunst und Kinder“ – zwei Themen, die die Zukunft der Höhlenforschung auf besondere Weise verbinden.

Mit einem interaktiven Kinderprogramm, kreativen Mitmachstationen und einer beeindruckenden Kunstausstellung wurde deutlich, wie wichtig Nachwuchsförderung unf interdisziplinäre Perspektiven für die Weiterentwicklung der Höhlenforschung sind.

Waischenfeld: Im Herzen der Fränkischen Schweiz

Der Ort der Tagung: Waischenfeld in der Fränkischen Schweiz. Foto: C. Zilch

Der Ort der Tagung: Waischenfeld in der Fränkischen Schweiz. Foto: C. Zilch

Die 63. Jahrestagung des VdHK fand in der Stadt- und Bürgerhalle in Waischenfeld statt, einem malerischen Ort im Herzen der Fränkischen Schweiz. Die Stadt bot mit ihrer Lage im oberen Tal der Wiesent nicht nur eine idyllische Kulisse, sondern auch eine hervorragende Infrastruktur für die Tagung: Stellplätze für Wohnmobile, ein Campingplatz, kurze Wege und eine gastfreundliche Atmosphäre trugen zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Waischenfeld wurde 1122 erstmals erwähnt und 1315 zur Stadt erhoben. Trotz mehrfacher Zerstörung in Kriegszeiten blieb der Ort ein bedeutendes Verwaltungszentrum. Seine historische Substanz und die Lage inmitten der Höhlenlandschaft der Fränkischen Schweiz machen ihn zu einem besonderen Tagungsort für Höhlenforscher.

Höhlennutzung im Nationalsozialismus

Ein besonders sensibles Kapitel der Stadtgeschichte ist mit der Nutzung ihrer Höhlen im Nationalsozialismus verknüpft. Im August 1943 verlegte das „SS-Ahnenerbe“, eine pseudowissenschaftliche Organisation unter der Leitung von Wolfram Sievers, seine Reichsgeschäftsstelle nach Waischenfeld. Der neue Sitz im barocken Alten Rentamt – einem Werk Leonhard Dientzenhofers – diente als Schaltzentrale für die kriegsrelevante Höhlenforschung im gesamten Deutschen Reich. Von hier aus koordinierten führende SS-Funktionäre wie Heinrich Himmler, Sievers und Augustin Brand die Erkundung und Nutzung von Höhlen, etwa zur Lagerung, Forschung oder als mögliche Rückzugsräume.

Diese Phase der Geschichte zeigt eindrücklich, wie wissenschaftliche Disziplinen – auch die Höhlenforschung – im Nationalsozialismus vereinnahmt und instrumentalisiert wurden. Die Tagung in Waischenfeld bot daher nicht nur Gelegenheit zur fachlichen Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsthemen, sondern auch zur kritischen Reflexion über die historische Verantwortung der Wissenschaft. Die Höhlen der Region sind nicht nur geologische und biologische Archive, sondern auch stille Zeugen einer Zeit, in der Forschung in den Dienst einer menschenverachtenden Ideologie gestellt wurde.

Luftkurort mit mittelalterlichem Charakter

Heute ist Waischenfeld ein staatlich anerkannter Luftkurort mit knapp 3.000 Einwohnern. Wahrzeichen der Stadt ist der Steinerne Beutel, ein mittelalterlicher Wehrturm, der zusammen mit der Burg Waischenfeld auf einem Felsplateau über dem Ort thront. Dieses markante Bauwerk diente auch als zentrales Motiv für das Logo der diesjährigen Tagung, das eigens für die Veranstaltung gestaltet wurde und die Verbindung von Ort, Geschichte und Höhlenforschung symbolisiert.

Zwei besondere Schwerpunkte prägten die Tagung: Kunst und Höhle

Ein besonderer Höhepunkt der Tagung war die Eröffnung der Kunstgalerie am Donnerstagabend. Über 50 Personen nahmen an der sehr emotionalen und persönlichen Veranstaltung teil, bei der die Verbindung von Höhlenforschung und künstlerischem Ausdruck eindrucksvoll sichtbar wurde.

Die Galerie zeigte Werke von acht Künstlerinnen und Künstlern:

  • Christian Höhne
  • Peter Hofmann
  • Horst Kirchhöfer
  • Bernhard Michali
  • Viktoriia Petrenko
  • Lucja Radwan
  • Frank Steinheimer
  • Ute Voigt

Alle hatten die Gelegenheit, sich vorzustellen und über ihre Arbeit zu sprechen. Die Beiträge reichten von Fotografie über Malerei bis hin zu Installationen – stets mit Bezug zur Höhle als Raum, Symbol oder Forschungsobjekt. Die persönliche Nähe zwischen Kunstschaffenden und Publikum machte die Veranstaltung zu einem besonderen Erlebnis, das viele Teilnehmer tief berührte.

Die Galerie war an den folgenden Tagen geöffnet und wurde von zahlreichen Besuchern mit großem Interesse wahrgenommen. Sie zeigte, wie Kunst und Wissenschaft sich gegenseitig inspirieren und bereichern können.

Kinder willkommen! – Nachwuchsförderung mit Neugier und Spiel

Ein zentrales Anliegen der diesjährigen Tagung war die Einbindung von Kindern und Familien – ein Schritt, der nicht nur für Begeisterung sorgte, sondern auch ein starkes Zeichen für die Zukunft der Höhlenforschung setzte.

Ein besonderes Highlight war das „Höhluseum“, eine mobile Höhlenausstellung des Kindermuseums Nürnberg für Schulen, die in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten entwickelt wurde. Jutta und Stefan Uhl haben das Projekt fachlich unterstützt und ihre Erfahrungen aus der Höhlenforschung eingebracht. In Kooperation mit dem engagierten Team des Kindermuseums, das die DAV Höhlengruppe auch bei vielen weiteren Aktionen begleitet, entstand ein interaktiver Erlebnisraum, der Kindern das Thema Höhle auf spielerische und zugleich fundierte Weise näherbringt.

Der Schlufkasten – ein Erlebnis für Groß und Klein

Ein weiteres Highlight des Kinder- und Mitmachprogramms war der Höhlenprobeschluf, ein sogenannter Schlufkasten, der vom Höhlenverein München (VHM) zur Verfügung gestellt wurde. Der Kasten besteht aus zahlreichen Holzelementen, die in variabler Höhe und Breite zusammengesetzt werden können, um das Durchqueren enger Höhlengänge realistisch zu simulieren.

Der Kasten wurde vor der Tagung in Rosenheim abgeholt – in Einzelteilen, ohne Aufbauanleitung oder Foto, wie das fertige Modell aussehen sollte. Dank des engagierten Einsatzes des Teams rund um die Speleo Olympics wurde der Kasten dennoch erfolgreich aufgebaut – mit viel Improvisationstalent und Teamgeist.

Während der gesamten Tagung stand der Schlufkasten in der Festhalle und wurde von Kindern und Erwachsenen mit großer Begeisterung ausprobiert. Ob kriechend, robbend oder mit angehaltenem Atem – der Schlufkasten sorgte für viel Spaß, Bewegung und echtes Höhlengefühl.

Kindertour in die Schönsteinhöhle

Besonders gut kam auch die Kindertour in die Schönsteinhöhle an. Die sechs teilnehmenden Kinder verfügten bereits über Höhlenerfahrung: Sie bewegten sich zügig, sicher und diszipliniert durch das Gelände, kletterten mit beeindruckender Vorsicht und Aufmerksamkeit und waren den Erwachsenen in Tempo und Technik oft voraus. Besonders bemerkenswert war ihre konzentrierte Aufmerksamkeit gegenüber den Erläuterungen des Höhlenführers – ein Zeichen echter Begeisterung und Neugier.

Abgerundet wurde das Kinderprogramm durch eine Tauchaktion im Freibad, die von vielen Kindern begeistert genutzt wurde, ein gelungener Ausgleich nach einem Tag voller Entdeckungen.

Die positive Resonanz auf das Kinderprogramm zeigt: Nachwuchsförderung beginnt mit Begeisterung und Erleben.

Exkursionen und Aktivitäten

Ein zentrales Element der Tagung waren die zahlreichen Exkursionen und Wanderungen, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit boten, die faszinierende Karstlandschaft der Fränkischen Schweiz hautnah zu erleben.

Insgesamt wurden von Mittwoch bis Sonntag  27 Höhlentouren in 15 verschiedene Höhlen sowie sieben geführte Wanderungen angeboten. Die Bandbreite reichte von sportlichen Befahrungen über geschichtliche oder geologisch interessante Führungen bis hin zu familienfreundlichen Touren. Folgende Höhlen wurden dabei besucht:

  • Zoolithenhöhle
  • Zinnbergschacht
  • Geisloch bei Oberfellendorf
  • Kappshöhle
  • Moggaster Höhle
  • Schönsteinhöhle
  • Esperhöhle
  • Rosenmüllershöhle
  • Wundershöhle
  • Witzenhöhle
  • Oswaldhöhle
  • Sophienhöhle
  • Ludwigshöhle
  • Neumühlhöhle
  • Lange Talhöhle
  • Elbersberger Windlöcher

Die Exkursionen wurden von erfahrenen Höhlenführerinnen und -führern geleitet und boten nicht nur spannende Einblicke in die unterirdische Welt, sondern auch Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung in der Praxis.

Auch Arbeitskreise und Workshops dienten der Vernetzung, des Austauschs und der Aneignung oder Auffrischung von Wissen, zum Beispiel über Karst- und Höhlenkunde, Messkonzepte oder Kameradenrettung.

Diverse Vorträge wareen zudem in drei parallel laufenden Reihen organisiert. Dabei ging es um Technik wie „Betonschrauben in der Höhle“, Wissenschaft wie „Vulkanspeleologie Saudi-Arabien“ oder Geschichte wie „Waischenfeld und die Gleichschaltung der deutsch-österreichischen Höhlenforschung“. Auch die Fledermausforschung war teil des Vortragsprogramms sowie natürlich die Steinzeit und viele weitere interessante Themen.

Gesichter der Höhlenforschung – Ein Foto-Kunst-Projekt

Ein stilles, aber eindrucksvolles Projekt begleitete die VdHK-Tagung 2025 in Waischenfeld: das Foto-Kunst-Projekt „Gesichter der Höhlenforschung“ von Peter R. Hofmann und Rainer Straub. Ziel war es, die Menschen hinter der Höhlenforschung sichtbar zu machen – nicht durch Schnappschüsse, sondern durch bewusst komponierte Porträts.

In einem eigens eingerichteten Fotostudio auf dem Tagungsgelände wurden Höhlenforscherinnen und -forscher in Schlaz und Helm vor neutralem Hintergrund fotografiert – bei konstantem Licht, mit Fokus auf Ausdruck und Persönlichkeit. Die entstandenen Bilder werden in einem grossen Gesamtbild zusammengestellt. Das soll die Vielfalt und Individualität der Höhlenszene zeigen und gleichzeitig Raum für Interpretation und künstlerische Wirkung lassen.

Die Aktion war offen für alle Tagungsteilnehmenden, der Zeitaufwand pro Porträt betrug etwa 5 bis 10 Minuten. Wer sich fotografieren ließ, erhielt ein persönliches Bild zur privaten Verwendung und wurde Teil einer wachsenden Sammlung, die möglicherweise in eine Ausstellung, eine Dokumentation oder ein künstlerisches Buchprojekt münden wird.

Einblick in die Höhlenrettung – Praxisnah vor Ort

Ein besonderes Highlight der Tagung war die Live-Demonstration einer Höhlenrettung von der Erstversorgung über die Kommunikation bis hin zur technischen Bergung. Mit originaler Ausrüstung, darunter Tragen, Seile und Umlenkrollen, wurde eine realistische Rettungssituation simuliert.

Ein weiterer Blickfang war die Vorführung des speziell ausgestatteten Rettungswagens, der für Einsätze in unwegsamem Gelände konzipiert ist. Die Besucherinnen und Besucher konnten das Fahrzeug besichtigen, sich über die Ausstattung informieren und Fragen zu Einsatztaktik und Logistik stellen. Die Präsentation verdeutlichte, wie wichtig eine gut koordinierte Infrastruktur für erfolgreiche Rettungseinsätze unter Tage ist.

Die Aktion vermittelte anschaulich, wie viel Fachwissen, körperliche Fitness und präzises Handeln in einer echten Rettung unter Tage erforderlich sind – und wie professionell die Höhlenrettung in Bayern aufgestellt ist.

Energie für unterwegs – Beratung zu Outdoor- und Sportnahrung

Ein praktischer und viel besuchter Programmpunkt war die Beratung zu Outdoor- und Sportnahrung durch Mira und Uli Gehbauer. In ihrem Infostand auf dem Tagungsgelände gaben sie wertvolle Tipps zur richtigen Ernährung bei Höhlentouren, Expeditionen und anderen Outdoor-Aktivitäten.

Im Fokus standen leicht transportierbare, nährstoffreiche und haltbare Lebensmittel, die auch unter schwierigen Bedingungen Energie liefern. Die beiden Experten erklärten, worauf es bei der Auswahl von Riegeln, Trockenmahlzeiten und Getränken ankommt – und wie man mit wenig Gewicht möglichst viel Wirkung erzielt. Auch Fragen zu veganer Ernährung, Unverträglichkeiten und selbstgemachten Snacks wurden kompetent beantwortet.

Die Beratung verband praktische Erfahrung mit wissenschaftlichem Hintergrund und war besonders für Einsteigerinnen und Einsteiger hilfreich, die ihre erste längere Tour planten.

Höhlentauchen für alle – Einblicke in eine verborgene Welt

Viel Aufmerksamkeit bekam auch die Mitmachaktion „Höhlentauchen“, die sich an Neugierige ohne Vorerfahrung richtete. Ziel war es, die Faszination des Höhlentauchens auf sichere und niedrigschwellige Weise erlebbar zu machen – mitten in der Fränkischen Schweiz, einer Region mit zahlreichen wasserführenden Höhlensystemen.

Unter fachkundiger Anleitung erfahrener Höhlentaucherinnen und -taucher konnten Interessierte im Freibad in Waischenfeld erste Erfahrungen mit der Ausrüstung und den besonderen Bedingungen des Höhlentauchens sammeln. Dabei standen nicht nur Technik und Sicherheit im Vordergrund, sondern auch die Vermittlung der ökologischen und geologischen Bedeutung unterirdischer Gewässerräume.

Die Aktion war Teil des erweiterten Kinder- und Familienprogramms der Tagung, das in Zusammenarbeit mit dem DAV Erlangen und dem Kindermuseum Nürnberg entwickelt wurde. Neben dem praktischen Teil gab es kurze Beiträge von den frühen Erkundungen bis hin zu modernen Forschungseinsätzen.

Die Resonanz war durchweg positiv: Viele Teilnehmende zeigten sich überrascht, wie anspruchsvoll, aber auch faszinierend das Tauchen in Höhlen sein kann. Für einige war es vielleicht der erste Schritt in eine neue Leidenschaft – für andere ein spannender Perspektivwechsel auf die Welt unter unseren Füßen.

Speleolympics – Technik und Herausforderung in der Bürgerhalle

Sportlich-technisch ging es bei den „Speleolympics“ zu, die vollständig in der Bürgerhalle von Waischenfeld stattfanden. Hier konnten Höhlenforschende ihre praktischen Fähigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen testen.

Im Mittelpunkt stand ein anspruchsvoll gestalteter Seilparcours, der quer durch die Halle verlief. Die Teilnehmenden mussten typische Situationen aus der Höhlenbefahrung bewältigen: Aufstieg am Seil, kontrolliertes Abseilen, sicheres Umsteigen an Umbaupunkten sowie das Durchseilen eines senkrecht eingebauten Rohrs, das unter der Hallendecke befestigt war. Diese Übung erforderte besondere Körperbeherrschung und Technik, da sie eine enge, vertikale Passage simulierte, wie sie in Höhlen vorkommen kann. Für den Fall, dass jemand in einer Übung steckenblieb oder nicht weiterkam, stand stets Hilfe bereit.

Ergänzt wurde der Parcours durch weitere Stationen wie die VHM-Schlufbox und Übungen zur Knotentechnik. Die Vorrunden fanden am Freitagnachmittag statt, das Finale am Samstag nach der Hauptversammlung.

Die Speleolympics boten eine spannende Gelegenheit, sich im direkten Vergleich mit anderen zu messen – mit viel Applaus vom Publikum und sichtbarer Begeisterung bei den Teilnehmenden. Die Aktion zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig und fordernd die Praxis der Höhlenforschung sein kann.

Nachtwächterführung – Geschichte lebendig erzählt

Ein stimmungsvoller Ausklang für viele Tagungsgäste war die Nachtwächterführung durch Waischenfeld. Rund 60 Teilnehmende begleiteten den Nachtwächter, der in historischer Gewandung mit Laterne und Hellebarde durch die abendlichen Gassen der Stadt zog. Unterstützt wurde er von Pablo und Huppmann, die ebenfalls in Kostümen der damaligen Zeit auftraten und mit kleinen Spielszenen zur Atmosphäre beitrugen.

Die Führung bot eine spannende Live-Erzählung aus der bewegten Geschichte Waischenfelds, vom mittelalterlichen Alltag über Belagerungen bis hin zu kuriosen Begebenheiten.

Die Kombination aus lebendiger Darstellung, historischen Kostümen und authentischen Schauplätzen machte die Führung zu einem unvergesslichen Erlebnis – und ließ die Geschichte Waischenfelds auf eindrucksvolle Weise lebendig werden.

Bierverkostung der besonderen Art – Geschichten im Glas

Die Verpflegung - feste wie flüssige - bei der Jahrestagung des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. war vielfältig und komplett regional. Foto: C. Zilch

Die Verpflegung – feste wie flüssige – bei der Jahrestagung des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. war vielfältig und komplett regional. Foto: C. Zilch

Die Bierverkostung der besonderen Art war weniger eine klassische Degustation als vielmehr ein unterhaltsamer Streifzug durch die Welt des fränkischen Bieres, mit Worten statt Proben. Während die Teilnehmenden gemütlich ihr Bier genossen, erzählte der Referent Thomas Büttner  mit viel Witz und Sachverstand von der Geschichte, den Eigenheiten und den kulturellen Besonderheiten des fränkischen und bayerischen Brauwesens.

Es ging um alte Rezepte, regionale Unterschiede, kuriose Braubräuche und die Rolle des Bieres im Alltag – auch in der Höhlenforschung. Die „Verkostung“ fand also im Kopf statt: Die Zuhörerinnen und Zuhörer konnten sich die beschriebenen Aromen und Sorten bildlich vorstellen, während sie ihr Bier tranken.

Premiere für Höhlenspiele – Ein neuer Abendimpuls

Neben fachlichem Austausch und hervorragender Verpflegung bot die VdHK-Tagung auch abends ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. In diesem Jahr wurde erstmals ein Spieleabend zum Thema „Höhlenspiele“ veranstaltet – eine neue Idee, initiiert und moderiert von Thomas Probull.

Der Abend stand ganz im Zeichen der spielerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Höhle: Ob Wissensquiz, kreative Rollenspiele oder kooperative Brettspiele: Die Teilnehmenden konnten sich auf unterhaltsame Weise mit ihrem Fachgebiet beschäftigen.

Die Resonanz war durchweg positiv: Der Abend bot nicht nur Abwechslung, sondern auch eine neue Form des gemeinschaftlichen Lernens und Erlebens. Viele äußerten den Wunsch, das Format weiterzuentwickeln – vielleicht sogar mit eigens entwickelten Höhlenspielen für kommende Tagungen.

Sagen und Märchen – Dokumentieren, Bewahren, Teilen

Ein besonderer Aspekt der VdHK-Tagung war der Beitrag von Thomas Probull, der sich dem Thema Sagen und Märchen aus dokumentarischer Perspektive widmete. Ziel war es, regionale Überlieferungen, alte Geschichten und mündlich tradierte Erzählungen zu sammeln und für die Nachwelt zu sichern.

Bereits im Vorfeld hatte Probull die Teilnehmenden dazu aufgerufen, eigene Bücher, Hefte oder Sammlungen mitzubringen, in denen Sagen, Märchen oder Legenden – insbesondere mit Bezug zu Höhlen, Karstlandschaften oder unterirdischen Welten – enthalten sind. Vor Ort stand er für den Informationsaustausch zur Verfügung und brachte einen mobilen Scanner mit, um die mitgebrachten Werke direkt zu digitalisieren.

Besonders bereichernd war der Beitrag einer Märchenerzählerin und Höhlenführerin der Sophienhöhle, die sich spontan meldete und ihr umfangreiches Wissen sowie eigene Materialien zur Verfügung stellte. Ihre langjährige Erfahrung in der Vermittlung von Geschichten rund um Höhlen und Naturphänomene brachte eine wertvolle Perspektive ein – sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf die Verbindung von Wissenschaft, Kultur und öffentlicher Vermittlung.

Diese Initiative war ein gelungenes Beispiel dafür, wie fachlicher Austausch, kulturelles Erbe und moderne Technik Hand in Hand gehen können. Die gesammelten Inhalte sollen langfristig in eine digitale Sammlung überführt werden, die sowohl für die Forschung als auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Tagungsband und T-Shirts – Erinnerungen zum Mitnehmen

Zur diesjährigen VdHK-Tagung wurde ein 160 Seiten starker Tagungsband erstellt, der Beiträge, Abstracts und Informationen rund um das Programm, die Vorträge und Exkursionen enthielt. Die Auflage von 150 Exemplaren war bereits während der Tagung vollständig vergriffen.

Zusätzlich wurden als Erinnerung T-Shirts in verschiedenen Farben und Schnitten angeboten.

Fachausstellung – Beratung, Bücher und Ausrüstung

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Tagung war die Ausstellerfläche, die in einem eigenen Raum hinter dem Anmeldetresen eingerichtet war. Hier präsentierten sich verschiedene Anbieter und Fachleute mit Produkten, Informationen und Neuheiten rund um die Höhlenforschung.

Besonders hervorzuheben ist Dieter Blaha von Speleo Conzepts, der mit fachkundiger Beratung zur Ausrüstung für Höhlenforschung und Expeditionen zur Verfügung stand. Ob Helme, Lampen, Seile oder Spezialzubehör – die Teilnehmenden konnten sich direkt vor Ort informieren, ausprobieren und austauschen.

Darüber hinaus wurden auch neue Höhlenbücher und Fachliteratur vorgestellt, darunter aktuelle Veröffentlichungen zu Karstkunde, Höhlenbiologie und regionaler Forschung. Die Ausstellung bot eine gute Gelegenheit, sich mit neuem Lesestoff einzudecken und mit Autorinnen und Autoren ins Gespräch zu kommen.

Hauptversammlung mit Wahlen

Die Jahreshauptversammlung des des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. war zentraler Punkt der viertägigen Veranstaltung. Foto: C. Zilch

Die Jahreshauptversammlung des des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. war zentraler Punkt der viertägigen Veranstaltung. Foto: C. Zilch

Ein zentrales Ereignis der Tagung war die Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V., die am Samstagvormittag stattfand. Über 200 Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen teil.

Die Tagesordnung war umfangreich und gut strukturiert. Sie umfasste unter anderem die Rechenschaftsberichte des Vorstands, der Referate sowie der zahlreichen Arbeitskreise. Besonders hervorzuheben war der ausführliche Bericht von Andi Wolf über die aktuellen Aktivitäten des Karstinstituts. Er bot spannende Einblicke in laufende Forschungsprojekte.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Versammlung waren die turnusmäßigen Neuwahlen. Die Abstimmungen verliefen reibungslos und wurden von den Teilnehmenden mit großem Interesse und Engagement begleitet. Die Wahlleitung sorgte für einen transparenten und zügigen Ablauf. Bärbel Vogel, die 1. Vorsitzende, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich anwesend sein, war jedoch online zugeschaltet.

Neben den formalen Punkten bot die Versammlung auch Raum für offene Diskussionen, Anregungen aus der Mitgliedschaft und den Austausch über zukünftige Projekte. Themen wie der Schutz sensibler Karstgebiete, die Nachwuchsförderung sowie die Digitalisierung von Forschungsdaten stießen auf reges Interesse und wurden konstruktiv diskutiert.

Hauptvortrag am Samstag – Forschung, Entdeckung und Film

Der Samstagabend stand ganz im Zeichen aktueller Forschung und spektakulärer Neuentdeckungen. Dr. Hardy Schabdach referierte über die Zoolithenhöhle, eine der bedeutendsten paläontologischen Fundstellen Deutschlands. In seiner Präsentation gab er Einblicke in die neuesten Forschungsergebnisse, die geologische Geschichte der Höhle und die Herausforderungen der Dokumentation und Erhaltung dieses einzigartigen Natur- und Kulturdenkmals.

Im Anschluss folgte die Vorstellung der neu entdeckten Bussardhöhle, präsentiert von Thomas Neser und Thomas Matthalm. Die beiden Forscher berichteten von der spannenden Entdeckungsgeschichte, den ersten Erkundungen und den geologischen Besonderheiten der Höhle. Begleitet wurde der Vortrag von einem Film von Thomas Matthalm, der die Entdeckung und die ersten Begehungen eindrucksvoll dokumentierte. Die filmische Umsetzung ermöglichte es dem Publikum, die Höhle quasi live mitzuerleben.

Fazit und Dank

Die Tagung war ein voller Erfolg: fachlich, organisatorisch und menschlich. Sie zeigte, wie lebendig und vielfältig die Höhlenforschung in Deutschland ist. Besonders erfreulich war das Engagement für Nachwuchsarbeit und die kreative Verbindung von Kunst und Wissenschaft.

Ein großer Dank geht an alle, die diese Tagung möglich gemacht haben: Helferinnen und Helfer, Künstlerinnen und Künstler, Höhlenführerinnen und Höhlenführer, das Team der Speleolympics, Referentinnen und Referenten und nicht zuletzt alle Tagungsteilnehmenden und spontan Hilfsbereiten.

Text: Jutta und Stefan Uhl
Fotos: C. Zilch, H. Schabdach, S. Uhl, U. Voigt, F. Steinheimer, P. Hofmann