Liebe Mitglieder unserer Sektion,
unser Wettkampfreferat hat in den vergangenen zehn Jahren eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. Was einst klein, familiär und stark spaßorientiert begann, hat sich dank großen Engagements, sportlichen Ehrgeizes und gemeinsamer Leidenschaft zu einer leistungsstarken Abteilung entwickelt, die den DAV Erlangen inzwischen überregional, deutschlandweit und sogar europaweit vertritt.
In diesem Artikel möchten wir Ihnen einen Überblick geben, wo wir herkommen, wo wir heute stehen, warum wir gerade jetzt über Anpassungen unserer Strukturen nachdenken müssen und warum wir auf dem weiteren Weg auf Ihre Unterstützung angewiesen sind, damit wir auch künftig als „blaue Macht“ sichtbar bleiben.

Heute besteht das Wettkampfreferat aus zwei Gruppen: den Nachwuchsathletinnen und -athleten im Alter von 9 bis 12 Jahren sowie der Wettkampfgruppe der 13- bis 18-Jährigen. Kinder, die in den regulären Kletter- und Bouldergruppen herausragten, wurden früh gesichtet und zunächst in der Nachwuchsgruppe gefördert, bevor später der Übergang in die Wettkampfgruppe erfolgte.

Familiäre, spaßorientierte Wettkämpfe wie die Stadtmeisterschaften im Bouldern waren früher die Regel. Foto: H. Bezold
Früher …
Bei den Kids der Nachwuchsgruppe waren die Wettkämpfe früher vor allem regionale Veranstaltungen wie kleinere Boulder- und Klettercups, Kidscups, oder eben unsere Stadtmeisterschaften im Bouldern – überschaubar, familiär und geprägt vom Spaß am Klettersport. Für die älteren Athletinnen und Athleten gab es damals nur wenige Wettkämpfe auf bayerischer Ebene. Dennoch gelang es uns immer wieder, gute Ergebnisse zu erzielen.
… und heute

Heute müssen schon die jüngsten Athlet*innen in drei Disziplinen bestehen! Foto: Kroha-Fotografie
Die Entscheidung des internationalen Verbands, Klettern olympisch werden zu lassen, veränderte die Szene nachhaltig. Mit der sog. Combined-Wertung mussten Athletinnen und Athleten plötzlich Lead, Bouldern und das neue Speedklettern beherrschen. Besonders Speed stellte uns vor große Herausforderungen. Die damals guten Speedzeiten würden heute kaum noch für die hinteren Plätze reichen – das zeigt, wie rasant das Niveau anstieg und wie sehr wir strukturell wie trainingsmethodisch nachziehen mussten.
Schub durch neue Trainingsmöglichkeiten
Mit dem Bau der DAV Sparkassen Bergwelt erhielt das Wettkampfreferat schließlich einen enormen Schub. Erstmals standen uns eine doppelte Speedwand und ausreichend Leadflächen zur Verfügung, sodass wir alle drei Disziplinen auf hohem Niveau trainieren konnten. Der Umfang des Nachwuchstrainings wurde verdoppelt, und dank der neuen Möglichkeiten etablierte sich das gesamte Wettkampfreferat bayernweit an der Spitze und zeigte deutschlandweit immer wieder starke Leistungen.

Im Bouldern ist ein hohes Maß an Technik gefordert. Foto: Calvin Beck
Im Laufe dieser Entwicklung hat sich die Sektion Erlangen auf Wettkämpfen einen Namen gemacht. Da die blauen Wettkampftrikots der Sektion Erlangen immer häufiger auf den Siegerpodesten auftauchten, erhielten die Wettkampfkletter*innen bald den Spitznamen „die blaue Macht“. Schritt für Schritt wuchsen Respekt und Anerkennung – und andere Teams nahmen uns zunehmend als ernsthafte Konkurrenz wahr.
Rasante Entwicklung der Kletterwettkampfszene
Gleichzeitig entwickelte sich die gesamte Wettkampfszene rasant weiter. Aus kleinen Kinderveranstaltungen wurden große, professionell organisierte Events, und das Leistungsniveau stieg deutlich. Während vor vier Jahren die Leistung beim Übergang in die Wettkampfgruppe noch bei 7 bis 7+ lag, liegt sie heute bei 8+ bis 9. Zwei Trainingseinheiten pro Woche reichen längst nicht mehr. Viele trainieren viermal, in der Speed-Saison sogar fast täglich, und in der Bouldersaison sind kommerzielle Boulderhallen, wie der Steinbock notwendig, um moderne „New-School“-Boulder zu trainieren.

Das Niveau steigt auch beim Lead-Klettern. Foto: S. Riedl
Die Kosten steigen mit dem Niveau
Damit entsteht ein zentrales Problem: Die Sektion unterstützt das Wettkampfreferat bereits intensiv, doch mit steigenden Anforderungen und steigendem Trainingsbedarf steigen auch die Kosten. Bei zusätzlichen Einheiten pro Woche entsteht eine erhebliche Belastung. Hinzu kommen weitere Halleneintritte und Fahrtkosten – Aufwand und Ausgaben, die viele Familien zunehmend an ihre Grenzen bringen. Es ist schwer hinzunehmen, dass talentierte und hochmotivierte Jugendliche Trainingseinheiten teilweise aus Kostengründen auslassen müssen. Talent sollte niemals vom Geldbeutel abhängen.
Eine starke Truppe
Vielleicht haben Sie selbst gesehen, wie fleißig unsere jungen Athletinnen und Athleten trainieren, wie beeindruckend sie sich Routen erarbeiten und mit welcher Leidenschaft sie dabei sind. Vielleicht haben Sie ihre Erfolge verfolgt und wissen, wie stark sie den DAV Erlangen bei bayerischen, deutschen und internationalen Wettbewerben vertreten haben. Zu diesen Erfolgen gehören Podestplätze und zahlreiche Top-Ten-Ergebnisse bei der Deutschen Jugendmeisterschaft Overall, starke Platzierungen in den Deutschen Jugendcups sowie regelmäßige Top-Ten-Plätze bei Wettkämpfen in den Alpenregionen. In der Teamwertung der bayerischen Kidscups liegt Erlangen 2024 und 2025 jeweils auf Platz 1 – mit mehreren Treppchen-Plätzen in den Einzelwertungen. Wir sind also eine starke Truppe, egal ob groß oder klein.

Auch Para-Kletter*innen des DAV Erlangen bestreiten inzwischen regelmäßig Wettkämpfe. Foto: J. Breuning
Zu dieser starken Truppe gehört inzwischen auch eine stetig wachsende Gruppe von Paraathletinnen und -athleten, die ebenfalls regelmäßig Wettkämpfe bestreiten und das Team bereichern. Dadurch sind wir in den A- und B-Nationalkadern sowohl bei den Athleten als auch bei den Paraathleten vertreten. Trotz des wachsenden Interesses und der tollen Entwicklungen merken wir aber auch hier sehr deutlich, wie wichtig verlässliche Unterstützung bleibt – denn ohne sie kann dieses Wachstum nicht nachhaltig bestehen.
Druck von außen wächst
Gleichzeitig wächst der Druck, denn andere Sektionen erweitern ihre Infrastruktur und versuchen, zu uns aufzuschließen. Wir möchten nicht riskieren, dass Erlangen seine Stellung als „blaue Macht“ verliert – sie ist das Ergebnis jahrelanger engagierter Arbeit vieler Trainerinnen, Trainer, Eltern und vor allem der Athletinnen und Athleten selbst. Und dennoch erleben wir bei Sichtungsveranstaltungen für zukünftige junge Athleten immer wieder, dass sehr talentierte Kinder abspringen, weil die Gesamtkosten für sie oder ihre Familien nicht zu stemmen sind. Das beschäftigt uns Trainer*innen sehr und zeigt, wie dringend wir neue Lösungen und Ansätze brauchen.
Um weiterhin solide Arbeit leisten zu können, sich auf die steigenden Anforderungen und Kosten einzustellen und zu verhindern, dass die Sektion Erlangen den Anschluss an die Spitze verliert und vielversprechende Talente aus Kostengründen den Sport oder die Sektion wechseln, ist nun ein enger Austausch aller Beteiligten notwendig und geplant, um Ansatz und Unterstützung für das Wettkampfreferat für die nächsten Jahre weiterzuentwickeln.
Danke für Ihr Interesse

Wirklich eine starke Truppe: Ein Teil der Erlanger Wettkampfkletter*innen und zwei ihrer engagierten Trainer*innen. Foto: N. Joly
Unser Anliegen mit diesem Artikel ist es, über die momentane Entwicklung im Wettkampfklettern zu informieren, auf notwendige Anpassungen aufmerksam zu machen und durch konstruktiven Austausch die notwendigen Veränderungen zu erreichen.
Wenn auch Sie unsere Arbeit und die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt haben und zu schätzen wissen, freuen wir uns sehr über Ihr weiteres Interesse und Ihre Unterstützung auf dem kommenden Weg.
Sie werden wieder von uns hören.
Ihre Wettkampfttrainer*innen und Eltern
→ Hier erfahren Sie noch mehr über das Wettkampfreferat im DAV Erlangen









