Am 24. und 25 Juni ging der zweite Paraclimbing Worldcup der Saison im Kletterzentrum Innsbruck über die Bühne und bot wieder eine beeindruckende Kulisse. Zum fünften Mal in Folge fand der Paraclimbing Worldcup dieses Jahr mit über 210 Athlet*innen aus aller Welt in 20 Startklassen statt. Deshalb kam es zu großen Teilnehmeranzahlen in den Startklassen und neben neuen Gesichtern aus Brasilien in der Klasse AU2 (Athleten mit Unterarmamputation) ist auch Island auf der Paraclimbing-Weltkarte aufgetaucht. „Der Innsbrucker Para-Weltcup hat sich zu einer sehr beliebten Station innerhalb des Cup-Circuits entwickelt. Er ist gut organisiert, findet in einer großartigen Umgebung statt und es gibt immer ein unglaubliches Publikum, das die Athleten lautstark anfeuert“, freut sich AU2-Athlet und Mitglied der Erlanger DAV-Sektion, Kevin Bartke.

Kevin Bartke (DAV Nürnberg + DAV Erlangen) beim Paraclimbing Worldcup in Insbruck. Foto: Jakob Mehltretter

Kevin Bartke (DAV Erlangen) beim Paraclimbing Worldcup in Insbruck. Foto: Jakob Mehltretter

Heiß und nass war der Qualifikationstag

Am Montag, 23. Juni, traten die 210 Athlet*innen auf insgesamt sieben Qualifikations-Routen an und zeigten ihre Leistungen. Trotz der heißen Temperaturen und dem Regen zwischen den beiden Quali-Läufen gaben die Sportler*innen alles und zeigten wieder einmal, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren.

Kevin Bartke lobte die gut geschraubten und abwechslungsreichen Routen, welche wieder das Team um die IFSC-Routenbauerin Maragda Gabarre an die Wand gebracht hatte. Es ist eine echte Herausforderung bei so vielen Teilnehmenden und Sportklassen, entsprechend viele geeignete Routen zu schrauben!

Bestes Finalwetter

Am Finaltag zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite – wobei es zeitweise schon sehr heiß wurde. Die hohen Temperaturen hielten die Zuschauer*innen jedoch nicht davon ab, „die Para-Athlet*innen Richtung Topgriff zu schreien,“ berichtet Kevin Bartke nach seinem Sieg in der Klasse AU2 schmunzelnd. „Innsbruck ist einer der wettbewerbsfähigsten Wettkämpfe mit vielen Athleten und vollen Sportklassen. Aus diesem Grund ist es etwas ganz Besonderes, hier aufs Podium zu kommen oder sogar eine Medaille zu gewinnen!“

Bartke findet Entscheidung nach Zeit nicht korrekt

Gemeinsam mit Brian Zarzuela aus den USA stand er – nach 2024 schon zum zweiten Mal! – ganz oben auf dem Treppchen. Auch wenn offiziell Kevin die Goldmedaille gewann, sieht der den Kollegen ebenfalls als Gewinner an. Denn: „Wir hatten nach den beiden Quali-Routen die gleiche Punktzahl, zogen beide auf dem 1. Platz ins Finale ein.“ In der Finalroute am nächsten Tag erreichten wieder beide die gleiche Punktzahl!

In einem solchen seltenen Fall kommt die Zeitregel ins Spiel und das Ergebnis basiert nicht mehr auf dem High-Point, sondern auf der Klettergeschwindigkeit der Finalroute. „Das kommt nicht oft vor, aber mir erscheint es nicht korrekt“, so Kevin. „Warum sollte das Klettern nach Schwierigkeit durch die Zeit bestraft werden?“ Schließlich gehe es darum, am höchsten zu klettern und nicht der Schnellste zu sein. „Hätten wir in einem solchen Fall nicht gemeinsam den ersten Platz teilen können?“

Das gleiche Ergebnis am Ende zeige aber auch, wie gut die Para-Routen in Innsbruck eingestellt waren: trotz der amputierten Arme auf gegenüberliegenden Seiten erreichten beide Athleten die gleichen Höhen. Ein gutes Zeichen dafür, dass es keine „Diskriminierung“ für eine Seite gab!

Phil Hrozek holt sich Bronze

Insgesamt war das Paraclimbing Team Germany mit insgesamt 16 Athlet*innen am Start und lieferte sieben starke Finaleinzüge. Neben Kevin, der sich in seiner Klasse AU2 (Athleten mit Unterarmamputation, Anm.) wieder die Goldmedaille holte, sahnte sein oberfränkischer Teamkollege der RP2-Athlet (Neurologische / physiologische Einschränkungen, Anm.) Philipp Hrozek eine Bronzemedaille ab.

Weiter geht es kommenden Samstag mit der Deutschen Meisterschaft im Paraclimbing in Augsburg, bei der der Athlet*innen ihr Können wieder unter Beweis stellen dürfen.

Achtung: Wir übertragen den Wettkampf per Livestream im Bergwelt-Bistro im DAV Kletter- und Vereinszentrum!

Text: Jule Breuning und Karina Brock / DAV Erlangen
Fotos: Jakob Mehltretter, Jule Breuning