Zur alljährlichen Hochtouren-Ausfahrt ging es für die Chalk Junkies an einem Samstagmorgen im Juli bereits um 6 Uhr an der Kletterhalle los in Richtung Mayrhofen.

Der hauseigene Spa der Greizer Hütte hat seinen ganz besonderen Charme. Foto: F. Koch

Der hauseigene Spa der Greizer Hütte hat seinen ganz besonderen Charme.

In Ginzling angekommen, ging es bei bestem Wetter über 1000 Höhenmeter im Zustieg auf die Greizer Hütte, die in den folgenden Tagen als Ausgangspunkt für die Touren diente. Einige hielten sich nicht lange auf der Hütte auf, sondern nahmen den Gigalitzturm mit seinen sieben Seillängen in Angriff, während sich der Rest der Gruppe bei einem wohlverdienten Kaltgetränk an die Tourenplanung für die nächsten Tage machte.

Auch wurde der hauseigene Spa hinter dem Winterraum aufgesucht, um sich von den heißen Temperaturen abzukühlen. Am Abend hieß es dann noch die kulinarischen Spezialitäten der Hütte in Form von Spinatknödeln testen – lecker, aber nicht ganz so gut wie die selbst gemachten auf der Skitourenausfahrt.

Großer Mörchner und Schwarzensteinhaus

Das Gelände war nicht immer einfach zu begehen: Die Chalk Junkies vom DAV Erlangen auf Hochtour. Foto: F. Koch

Das Gelände war nicht immer einfach zu begehen.

Am ersten Morgen starteten wir in zwei Seilschaften in Richtung des Großen Mörchners. Ein Teil der Gruppe lief bereits um 5 Uhr los, um sich gegebenenfalls zusätzliche Gipfeloptionen offen zu halten. Der zweite Teil startete etwa eine Stunde später. Der Weg schlängelte sich zunächst über Wiesen und leichte Wanderwege, anschließend über großes Geröll, Schneefelder und Gletscherspalten in Richtung Gletscher. Dort angekommen, zogen wir die Steigeisen an, zückten den Pickel und gingen am Seil über den Gletscher zunächst in Richtung Tribbachsattel. Kurz davor verließen wir den Gletscher und stiegen über einen teils brüchigen, aber dennoch sehr schönen Blockgrat des Felsköpfls auf. Von dort aus eröffnete sich der Blick auf den weiteren Gletscher, der sich bis kurz unter die Spitze des Großen Mörchners erstreckt.

Angesichts der Uhrzeit entschieden wir uns, den Gletscher in Richtung des Gipfels des Felsköpfls zu queren, anstatt den Gipfel zu besteigen. Nach einer kurzen Pause ging es über ein großes Schneefeld mit gewollten Rutschpassagen zurück zum Schwarzensteinhaus. Dort stießen wir auf die zweite Seilschaft, die sich nach der erfolgreichen Besteigung des Großen Mörchners ebenfalls in Richtung Greizer Hütte aufmachte.

Gewitterneigung unterschiedlich interpretiert

Da für den zweiten Tourentag ab dem frühen Nachmittag tiefe Quellwolken und ein Gewitter gemeldet wurden, machte sich eine Seilschaft bereits um 5 Uhr in Richtung des Gipfels Großer Löffler auf, um vor Einbruch des Gewitters wieder auf der Hütte zu sein. Auf der Tour erwartete sie zunächst eine steile Schneeflanke zur Triebachscharte. Von dort aus ging es über einen losen Blockgrat auf die Tribbachspitze und anschließend über einen schönen Blockgrat mit leichter Kletterei auf den Gipfel des Großen Löfflers. Leider gibt es dort kein Gipfelkreuz mehr, aber immerhin eine Bank zum Ausruhen.

Die Chalk Junkies vom DAV Erlangen auf Hochtouren-Ausfahrt. Foto: F. Koch

Die Chalk Junkies auf Hochtouren-Ausfahrt.

Der Rest der Gruppe gönnte sich eine Stunde länger Schlaf und nutzte dann die Zeit vor Gewitter, einige sicherheitsrelevante Techniken zu wiederholen, die bereits im Vorfeld am DAV-Kletterturm in Erlangen geübt worden waren und nun an einem Schneefeld in der Praxis gefestigt wurden: Selbstrettung aus Gletscherspalten, Aufbau und Rettung mittels loser Rolle, Rutschversuche in der Seilschaft. Zusätzlich wurden unterschiedliche Varianten des T-Ankers ausprobiert und auf ihre Belastbarkeit geprüft. Hierzu zählen ein klassischer T-Anker, bei dem der Pickel in unterschiedlichen Schneetiefen vergraben ist, ein vertikal steckender Pickel und eine mit verdichtetem Schnee gefüllte Steigeisentasche.

Da das Gewitter doch noch länger auf sich warten ließ, nutzten einige den restlichen Tag, um sich im Klettergarten in unmittelbarer Nähe der Hütte auszutoben.

Drei Seilschaften in ungünstigem Gelände

Auch für den letzten Tourentag waren die Wetteraussichten nicht optimal, denn erneut war für den frühen Nachmittag ein Gewitter gemeldet. Wir teilten uns für diesen Tag in drei Seilschaften auf. Zwei davon brachen aufgrund der weiten Wege bereits vor 5 Uhr auf. Eine Seilschaft machte sich auf den Weg in Richtung Großer Löffler. Aufgrund der Uhrzeit und des gemeldeten Gewitters traten sie nach Erreichen der Tribbachspitze den Rückzug an.

Die zweite Seilschaft hatte sich die westliche Floitenspitze als Ziel gesetzt. Der Weg war zu Beginn identisch bis zum Tribbachsattel. Da das Gewitter am Vortag jedoch viel Schnee zum Schmelzen gebracht und zusätzlich Spalten offengelegt hatte, mussten Umwege in Kauf genommen werden. Dadurch wurde es am Ende zu spät für eine sichere Gipfelbesteigung, so dass man lieber den Rückzug antrat.

Gemütliches Domizil: die Greizer Hütte. Foto: F. Koch

Gemütliches Domizil: die Greizer Hütte.

Der dritte Teil der Gruppe entschied sich nach zwei kurzen Nächten, erst um 7 Uhr die Lapenspitze zu besteigen, obwohl keine Informationen zu Routenführung oder Schwierigkeitsgrad vorlagen.

Zu Beginn ging es über Gehgelände und erste Kraxelstellen los. Im Anschluss folgten drei weitere Anstiege, bei denen sich ab dem zweiten die zusätzlich mitgebrachten Kletterschuhe als durchaus nützlicher als Bergschuhe erwiesen.

Über schlecht absicherbare Passagen erreichte die Gruppe den rettenden Schlaghaken, der dem Aussehen nach jedoch noch von der Erstbegehung stammt… Zügig schritt die Gruppe am laufenden Seil in leichterem Gelände in Richtung Gipfel aus. Von dort aus kletterte sie die Lapenscharte hinab und begab sich zurück zur Hütte.

Am letzten Tag stand nur noch ein entspanntes letztes Frühstück auf der Hütte an, bevor wir nach Ginzling abstiegen und nach Erlangen zurückfuhren.

Text: André Dellermann
Fotos: Florian Koch