Am 23. August 2025 unternahm eine siebenköpfige Gruppe des DAV Erlangen eine eindrucksvolle Tour in den Zinnbergschacht, begleitet von vier erfahrenen Höhlenforschern der Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken e.V. (FHKF). Die Führung übernahmen Tina und Martin, die mit großer Sachkenntnis die geologischen Besonderheiten und die Entdeckungsgeschichte der Höhle vermittelten.
Immer am Fels entlang
Nach dem Einstieg und der Passage durch die sogenannte „Rumpelkammer“, einen ersten größeren Raum, der nach der Erweiterung der Eingangskluft zugänglich wurde, führte der Weg weiter durch einen Verbruchhang, der sich entlang einer Felswand erstreckt. Die Gruppe bewegte sich stets am Felsen entlang, während auf der gegenüberliegenden Seite Leitplanken zum Abstützen angebracht waren – eine eindrucksvolle Konstruktion, die den sicheren Durchstieg durch diesen anspruchsvollen Abschnitt ermöglicht.
Vorbei an der Maximilansgrotte
Die Höhle liegt direkt neben einer geologischen Störzone, in der die Gesteinsplatten um mehrere Meter nach unten versetzt sind. Auf der gegenüberliegenden Seite dieser Störung befindet sich die bekannte Schauhöhle Maximiliansgrotte. Es wird vermutet, dass beide Höhlen vor der tektonischen Verschiebung miteinander verbunden waren – ein spannender Hinweis auf die dynamische geologische Entwicklung der Region.
Riesiger Dom unter der Erde
Ein Höhepunkt der Tour war der Übergang in die riesige Halle „Petersdom“, deren Dimensionen für fränkische Verhältnisse außergewöhnlich sind: über 50 Meter Länge und 10 bis 15 Meter Höhe. Direkt unter dem trichterförmigen Abbruch im Petersdom liegt der tiefste Punkt der Höhle, genau über dem Ende eines mäandrierenden Ganges, der als Canyon bezeichnet wird. Dieser Canyon erstreckt sich über etwa 40 Meter Länge und besitzt eine Deckenhöhe von mehr als 15 Metern. Er ist ein eindrucksvolles Zeugnis eines ehemaligen Bachlaufs, der einst durch die Höhle floss und deren Form maßgeblich prägte.
Höhlenforschung bedeutet auch Bürokratie
Ein besonders denkwürdiger Moment war Tinas erster Blick in den Petersdom nach der erfolgreichen Grabung. Ihr spontaner Kommentar: „Und jetzt geht die Politik los!“
Ein sarkastischer Hinweis auf die organisatorischen und kommunikativen Herausforderungen, die mit der Erschließung und Dokumentation solcher Entdeckungen einhergehen.
Ausgeklügeltes Seilbahnsystem zur Abraumbeseitigung
Nach der Besichtigung unterstützte die Gruppe die FHKF tatkräftig bei der Entsorgung von Abraum aus der Höhle. Insgesamt wurden 80 Eimer „Schutt“ aus dem Petersdom und dem Bereich nach der ersten Seilbahn herausgebracht. Der Abraumtransport erfolgt über ein ausgeklügeltes System aus mehreren Seilbahnen, die allesamt kurvengängig konstruiert sind – eine technische Besonderheit, die den Transport durch enge und verwinkelte Höhlenabschnitte ermöglicht. Im Eingangsschacht kommt eine Materialbahn mit schräg verlaufender Schiene zum Einsatz, die über Ecken und Steigungen führt. Dieser letzte Abschnitt muss von außen gezogen werden – eine körperlich anspruchsvolle, aber effiziente Lösung.
Neben der Erkundung der geologischen Vielfalt und der beeindruckenden Räume wurde auch bei der gemeinsamen Abraumentsorgung deutlich: In der heutigen Zeit wird keine Höhle mehr ohne erhebliche Arbeit entdeckt. Alle offenen Eingänge sind längst befahren – was bleibt, sind verborgene Systeme, die sich nur durch Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen, geologischen Sachverstand und eine Portion Glück erschließen lassen. Diese Tour war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Entdeckergeist und praktische Unterstützung zusammenwirken können.
Ein herzliches Dankeschön an die FHKF und insbesondere an Tina und Martin für die engagierte und informative Führung – ein echtes Highlight für alle Beteiligten!
Text und Fotos: Stefan und Jutta Uhl


















