Bevor Mitte Mai mit der traditionellen Bergmesse die neue Saison der Hundalm Eis- und Tropfsteinhöhle in Tirol eröffnet wird, muss die Höhle nach den Wintermonaten erstmal wieder für Besucher vorbereitet werden. Deshalb trafen sich auch in diesem Jahr acht Mitglieder des DAV Erlangen und sechs Mitglieder des Eishöhlenvereins Tirol zum traditionellen Auswinterungseinsatz.
Außergewöhnliche Schauhöhle

Wie in einer anderen Welt: Die Eis- und Tropfsteinhöhle Hundalm in Tirol. Foto: S. Uhl
Die Hundalm Eis- und Tropfsteinhöhle oberhalb von Angerberg bei Wörgl ist ein außergewöhnliches Naturdenkmal. Auf 1520 Metern Seehöhe gelegen, ist sie die einzige öffentlich zugängliche Eis- und Tropfsteinhöhle Nordtirols und Westösterreichs. Die Höhle wurde 1921 erstmals wissenschaftlich erforscht, steht seit 1956 unter Naturschutz und wird seit 1967 als Schauhöhle betrieben.
Über 122 Stufen gelangen Besucher in die Tiefe, wo auf einem etwa 180 Meter langen Führungsweg eindrucksvolle Eis- und Tropfsteinformationen besichtigt werden können. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt rund 264 Meter. Selbst im Hochsommer liegen die Temperaturen im Inneren nur knapp über dem Gefrierpunkt.
Bereits der Zustieg zur Höhle ist eine kleine Bergtour. Vom Parkplatz Lettenbichl im Ortsteil Embach sind rund 6,5 Kilometer Wegstrecke und etwa 870 Höhenmeter zu bewältigen. Die Buchackeralm auf 1450 Metern Höhe ist dabei ein beliebtes Zwischenziel. Von dort sind es noch etwa 30 bis 45 Gehminuten bis zur Höhle.
Freitag, 1. Mai: Anreise
Am Nachmittag startete unsere Gruppe von Nürnberg aus in Richtung Tirol. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens zum Maifeiertag kam es auf den Autobahnen zu erheblichen Staus. Deshalb trafen wir uns unterwegs am Irschenberg, wo bei einer gemeinsamen Besprechung die anstehenden Arbeiten, die Materiallogistik und die Aufgabenverteilung für das Wochenende abgestimmt wurden.
Materialtransport zur Höhle

Ausladen, aufladen, umladen: Der Materialtransport bis zur Höhle ist nicht ganz trivial. Foto: S. Uhl
Gegen 19:30 Uhr erreichten wir den Wanderparkplatz bei Angerberg. Mit zwei geländegängigen Jeeps und einem Materialanhänger ging es auf einem einspurigen Forstweg weiter Richtung Buchackeralm. Da die Fahrzeuge bis auf den letzten Platz ausgelastet waren, legten zwei Teilnehmende die Strecke zu Fuß zurück.
In der Nähe der Buchackeralm endet die Fahrmöglichkeit. Von dort führte der Weg noch etwa 30 Minuten zur Höhle und zur unmittelbar daneben gelegenen Viktor-Büchel-Forscherhütte. Die Hütte dient seit Jahrzehnten als Stützpunkt für Höhlenführer, Forscher und Helfer bei den Arbeitseinsätzen.
Besonders hilfreich war erneut das Raupenfahrzeug, mit dem Werkzeug, Verpflegung und weiteres Material bis zur Hütte transportiert werden konnten. Nach dem Bezug der Schlafplätze im Matratzenlager wurde die Hütte in Augenschein genommen. Die im Vorjahr abgeschlossenen Renovierungsarbeiten mit neuem Dach und neu gestalteter Terrasse haben die Unterkunft deutlich aufgewertet. Bei bester Stimmung ließen wir den Abend gemütlich ausklingen und bereiteten uns auf die bevorstehenden Arbeiten vor.
Samstag, 2. Mai: Wir holen die Höhle aus dem Winterschlaf
Nach dem Frühstück begann der eigentliche Arbeitseinsatz. Während im Inntal bereits frühlingshafte Temperaturen herrschten, zeigte sich die Situation rund um die Höhle noch deutlich winterlich. Reste von Schnee, Eis und die niedrigen Temperaturen machten schnell deutlich, warum jedes Jahr eine Auswinterung etwas Besonderes ist.
Zunächst wurde die vereiste Zugangstreppe freigelegt und das Geländer montiert. Eine besondere Herausforderung stellte ein über den Winter nachgerutschter Eiswall dar, der den bisherigen Zugang versperrte. Mit Schaufeln, Pickeln und viel Muskelkraft wurde ein neuer Durchgang durch das Eis geschaffen.
Wege räumen, Hohlräume ausfüllen, Geländer montieren…

Mit Muskelkraft ging es den Eis- und Schneemassen, die die Wege blockierten, an den Kragen. Foto: S. Uhl
Im weiteren Verlauf wurden der Führungsweg und die Besucherbereiche von Eis und Schnee befreit, Geländer montiert und kontrolliert sowie die Winterschutzdächer über dem Führungsweg bei den Eissäulen abgebaut.
Durch Schmelzwasser entstandene Hohlräume unter den Stegen mussten aufgefüllt und Eisablagerungen entlang des gesamten Rundweges entfernt werden. Darüber hinaus wurden umfangreiche Reinigungs- und Aufräumarbeiten sowohl in der Höhle als auch in der Viktor-Büchel-Forscherhütte durchgeführt.
Abschließend erfolgte die Kontrolle aller sicherheitsrelevanten Einrichtungen entlang des Führungsweges. Auch in der Umgebung des Eingangs mussten neue Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden wie Einbau der Türen zum Gelände oder Spannen der Stahlseile.
Erst die Arbeit, dann die Geselligkeit
Viele Arbeiten waren nass, kalt und körperlich anstrengend. Dank der guten Zusammenarbeit und der langjährigen Erfahrung vieler Beteiligten konnten die Aufgaben jedoch zügig erledigt werden.
Der Samstagabend gehörte traditionell der Kameradschaft. Bereits seit 2005 beteiligt sich die Höhlengruppe des DAV Erlangen regelmäßig an den Arbeitseinsätzen an der Hundalm. Ebenso lange gehört das gemeinsame Grillen am Abend fest zum Programm. Bei gutem Essen, vielen Gesprächen und Erinnerungen an frühere Einsätze klang der arbeitsreiche Tag in geselliger Runde aus.
Sonntag, 3. Mai: Abschlussarbeiten und Heimreise
Am Sonntag wurden die letzten Arbeiten an Höhle und Hütte erledigt. Nach einer abschließenden Kontrolle aller Besucherwege, Geländer und Sicherheitseinrichtungen konnte die Höhle für die bevorstehende Saison freigegeben werden.
Der Abstieg erfolgte wie beim Aufstieg teilweise mit den Jeeps, während einige Teilnehmende die Strecke zu Fuß zurücklegten. Mit dem guten Gefühl, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und sicheren Betrieb der Höhle geleistet zu haben, traten wir die Heimreise an.
Fazit
Auch in diesem Jahr war das Auswinterungswochenende ein voller Erfolg. Dank des ehrenamtlichen Engagements aller Beteiligten konnte die Hundalm Eis- und Tropfsteinhöhle rechtzeitig für die Saisoneröffnung und die traditionelle Bergmesse vorbereitet werden.
Neben der geleisteten Arbeit bleiben vor allem die Kameradschaft, die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Eishöhlenverein Tirol und die gemeinsame Begeisterung für dieses einzigartige Naturdenkmal in Erinnerung. Solche Arbeitseinsätze zeigen eindrucksvoll, wie wichtig freiwilliges ehrenamtliches Engagement für den Erhalt und den sicheren Betrieb von Schauhöhlen ist.
Ein herzlicher Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, die auch in diesem Jahr dazu beigetragen haben, die faszinierende Eiswelt der Hundalm für Besucher zugänglich zu machen.
Text: Stefan Uhl
Fotos: Stefan Uhl, Jasmin Krauß
















