Der winterliche Rabenstein war das Ziel einiger Friends & Bolts zum Neujahrsklettern. Foto: J. Walter

Der winterliche Rabenstein war das Ziel einiger Friends & Bolts zum Neujahrsklettern. Foto: J. Walter

Der Jahreswechsel hat viele Traditionen – Bleigießen, gute Vorsätze, Katerfrühstück. Und dann gibt es da noch eine etwas speziellere: den Neujahrsgipfel. Seit Jahrzehnten zieht es Bergbegeisterte direkt nach dem Jahreswechsel auf einen Gipfel, um symbolisch „über dem alten Jahr zu stehen“. Wir von den Friends & Bolts finden: Das ist eine Tradition, die man nicht nur pflegen, sondern zelebrieren sollte – und das haben wir zum zweiten Mal getan.

Ziel: Der verschneite Rabenstein

Dieses Jahr führte uns der Neujahrsgipfel an den Rabenstein bei Osternohe, mitten im verschneiten Frankenjura. Schon die Anfahrt war ein Abenteuer: Osternohe präsentierte sich als Wintermärchen – allerdings eines, in dem man sich fragt, ob das Auto jemals wieder aus der Parklücke herauskommt.

Mit zwölf Teilnehmenden, die offenbar nichts Besseres zu tun hatten, stapften wir schließlich zum Fels. Schon der Zustieg war frostig, rutschig und herausfordernd. Dazu ein abschüssiger Wandfuß und ein Fels, der unter so viel Schnee kaum mehr sichtbar war. Nach langem Risiko-Abwägen konnten wir uns für zwei Routen entscheiden: einen 5er und einen 2er – und tatsächlich hatten es unter diesen Bedingungen beide in sich.

Eine 5 ist nicht immer ein Spaziergang…

Der 5er trug den charmanten Namen „Spaziergang“ – was bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fast schon frech wirkte. Von Plaisierklettern konnte jedenfalls keine Rede sein: Jeder Griff war ein kleiner Eisblock, jeder Tritt ein Glücksspiel. Trotzdem wurde die Route souverän vorgestiegen und dieser Erfolg gab uns zum ersten Mal das Gefühl, dass dieser Tag trotz aller Widrigkeiten ein richtig guter werden könnte.

Und weil wir Friends & Bolts heißen, blieb es natürlich nicht bei Bolts: Die „Bergseite“ (UIAA 2) war komplett ungesichert, also durften Friends, Keile und Improvisationstalent zeigen, warum sie unseren Gruppennamen so wunderbar ergänzen. Bevor überhaupt geklettert werden konnte, mussten erst einmal halbe Schneemassen aus der Route geschaufelt werden. Ein Abenteuer, das irgendwo zwischen Alpinismus und Schneeräumdienst lag.

Zur Belohnung nach getaner

Sekt und Kuchen zur Belohnung

Doch am Ende standen wir tatsächlich alle oben – durchnässt, durchgefroren, aber glücklich wie Schneekönige. Am Gipfel dann die Belohnung: Sekt und Kuchen. Danach seilten wir uns nacheinander wieder ab, jeder mit dem Gefühl: „Okay, das war härter als gedacht – aber genau deshalb genial.“

Nach fünf Stunden im Schnee waren wir komplett durchweicht, aber um eine Geschichte reicher.

Fazit zum Neujahrsgipfel 2026: Mission abgeschlossen.

Ein Jahr voller Spaß liegt nun vor uns, bevor wir erneut frierend bereuen, dass wir diese Tradition eingeführt haben.

Text: Antonia Gerschütz
Fotos: Annalisa Baronetto, Jakob Walter, Antonia Gerschütz