Martin Neumann interviewt Holger Heuber und Michael Schuchert, zwei langjährige Trainer im DAV Erlangen
Lieber Holger, lieber Michael, das Winterprogramm 2025/2026 ist jetzt über die Bühne gegangen – seit vielen Jahren das erste ohne euch. Ihr habt euch letztes Jahr entschieden, eure jahrzehntelange Tätigkeit als Trainer für den Verein zu beenden. Damit geht eine Ära zu Ende. Ihr habt über viele Jahre die Ausbildung im Verein mit auf- und weiter ausgebaut – Holger war mein Vorgänger als Ausbildungsreferent. Zeit, zurückzublicken. Wie seid ihr dazu gekommen, für den Alpenverein als Trainer tätig zu werden?

Die Skitouren in St. Antönien gehörten mit Holger Heuber und Michael Schuchert zu den Klassikern im Ausbildungsprogramm des DAV Erlangen. Foto: M. Schuchert
Holger: Ich hab mir damals quasi selbst das Klettern beigebracht, bin jedes Wochenende mit dem Radl ans Walberla gefahren, noch in der Schulzeit. Und klar, wenn man mit Klettern anfängt, kommt man irgendwann mit dem Alpenverein in Verbindung. Der nächste aktive Alpenverein war der in Erlangen. Damals gab es noch keine Jugend, keine Sportklettergruppe, nur die Bergsteigergruppe. Wenn man ein bisschen klettern konnte (Holger später bis in den 10. Grad, Anm. Martin), hat man schnell die ersten Kletterkurse für den Alpenverein geleitet. Der klassische Alpin-Kletterkurs war einmal im Jahr ein Wochenende am Walberla. Ich konnte damals schon ein bisschen Skifahren, da war der nächste Schritt, auch die Winterausbildung zum Fachübungsleiter Skilauf zu machen. Für die Ski-Freizeiten fuhren wir zweimal im Jahr für ein Wochenende ans Brauneck zum Pistenskifahren. Irgendwann ist dann Michael aufgetaucht, natürlich wie immer der Frauen wegen…
Er ist auch gern neben der Piste rausgefahren und so haben wir relativ schnell zueinander gefunden.
Michael: Ich komme aus der Sektion Starkenburg im Odenwald, die hat mich 1987 auf die Fachübungsleiter-Skilauf-Ausbildung geschickt, auf der ich meine jetzige Frau Katja Körner vom DAV Erlangen kennengelernt habe. Im Jahr darauf war ich schon in Lenggries am Brauneck mit dabei, da gab es die legendären Abende mit Rutsch Battles. Weil unsere Kinder klein waren und Ski fahren wollten, haben wir bei den Familienskifreizeiten mitgemacht.
Holger: … mit 30 Kindern…
Michael: … und rund um die Uhr Betreuung. Parallel dazu haben wir das Variantenfahren angeboten, was sich dann immer mehr in Richtung Skitouren verlagert hat. Mit einer klaren Priorität: Die Abfahrt muss passen.
Holger: Das Aufsteigen und ein schöner Gipfel gehören dazu. Auf Durchquerungen viele interessante Abfahrten und Varianten zu kombinieren, das war das
Ziel. Hauptsache es hat gestaubt.
Und das habt ihr immer weiter perfektioniert, was euch eine recht treue Anhängerschaft beschert hat über all die Jahre…
Holger: Richtig, manche waren dann über viele Jahre immer wieder dabei. Wir haben auch jetzt von vielen unserer Teilnehmer*innen eine nette Abschiedsnachricht bekommen.

Der Spaß an der Sache war bei Tourenleitern wie Teilnehmenden immer dabei. Foto: Michael Schuchert
Wenn ich richtig rechne, gab es diese Variantenfahrten seit Anfang der 90er Jahre?
Holger: Die Fahrt ins Alpbachtal war glaube ich die allererste auf der Hütte (der Familie Heuber). Wir hatten teilweise noch Slalomstangen dabei, um Parallelslalom zu trainieren für die Erlanger Stadtmeisterschaften und sind daneben Varianten gefahren.
Michael: Auch ein Trainertreffen hatten wir dort, Kletterer wie Skifahrer.
Holger: Es war einfach eine sehr günstige Möglichkeit zu übernachten, man konnte gut selber kochen und es war ein idealer Stützpunkt fürs Skitourengehen und Variantenfahren. Später auf der Rudolfshütte mit der ganzen Truppe von 30 Leuten – Winterausbildung, Sommerausbildung, Eis, Skitouren alle zusammen – das war damals perfekt! Solche Konzepte lassen sich heute nicht mehr so leicht umsetzen.
Was ist heute anders in der Ausbildung?
Michael: Die einzelnen Schwungformen zu pauken und bis zum Exzess demonstrieren zu müssen, das war damals schon fast krankhaft, heute steht eher der Spaß am Skilauf im Vordergrund. Dafür fehlen mir heute die vereinsinternen Fortbildungen, das hat den Zusammenhalt unter den Übungsleitern gefestigt.
Holger: Und es ist dann auch viel leichter eine Vertretung zu finden, wenn mal einer ausfällt. Als ich zum DAV Erlangen gekommen bin, gab es einen Kletterkurs im Sommer und im Winter die Brauneck Skifahrten, das war’s. Das konnte man noch ehrenamtlich gestalten. Heute, mit Kletterhalle, Kinder- und
Jugendkletterkursen für über 10.000 Mitglieder, muss eine Ausbildung deutlich professioneller werden. Aber es gehen auch Dinge verloren – die eher familiären Treffen und Fortbildungen, Teamsitzungen nicht nur online… Aber am Ende ist es wohl ein natürlicher Gang der Dinge.

Die Kursteilnehmenden blieben Michael und Holger oft über Jahre treu. Foto: M. Schuchert
Ja, mit heute etwa 80 Trainer*innen und an die 200 Veranstaltungen im Jahr geht ohne hauptamtliche Unterstützung durch unsere Geschäftsstelle nicht mehr viel.
Michael: Wir haben unsere Quartiere immer selbst rausgesucht. Claudia hat sie dann nur noch buchen müssen. Die Infoveranstaltungen haben wir zum Schluss immer online angeboten.
Hat sich im Verhältnis zu den Teilnehmern etwas geändert?
Holger: Also wir haben schon immer gute und schlechtere Skifahrer gehabt. Wichtig war, dass wir zu zweit als Team gearbeitet haben, da war es kein Thema, wer mit welcher Gruppe fährt. Die meisten Teilnehmer*innen waren über all die Jahre sehr loyal uns gegenüber.
Michael: Wir haben immer versucht, unter den gegebenen Umständen das Optimale für alle rauszuholen.
Holger: Ja, das war auch Eigeninteresse, Michael.
Habt ihr besondere Highlights in Erinnerung?
Michael: Die Entwicklung des skifahrerischen Könnens der Stammgäste unterstützen und verfolgen zu können war sehr schön. Aber auch die Freundschaften mit denen, die immer wieder gekommen sind, die gemeinsamen Erlebnisse. Viele haben sich schon auf die nächsten Kurs-Ausschreibungen gefreut und traurig angerufen, wenn am Ende doch kein Platz mehr frei war.
Holger: Sicher diese vielen schönen Erlebnisse, wo du einfach bei perfektem Wetter und perfektem Schnee die perfekten Touren machst. Da hatten wir glaube ich ganz schön viele davon. Das ist immer ein unheimlich befriedigendes Gefühl. Aber es gab auch Situationen, wo die Rechnung nicht aufgegangen ist. Wo du mitten im Hang stehst und feststellst: „Sch***, wir sind doch die Stunde zu spät dran, alles ist schon so durchfeuchtet. Also Felle an und wieder 500 Meter aufsteigen, um irgendwo eine sichere Route zu finden.“ Dann ist bei der Gruppe auch gern mal Meuterei auf der Bounty.
Oder die Augenblicke, wo es dir die Haare aufstellt und du denkst, lass das bitte jetzt gut ausgehen… Je häufiger du Verantwortung für Gruppen übernimmst, umso höher ist das Risiko, dass mal irgendwas schiefläuft. Das größte Geschenk ist, dass alles ohne große Unfälle abgegangen ist.
Was auch für euer professionelles und defensives Risikomanagement spricht…
Holger: Etwas Glück gehört sicher immer dazu, dieses Restglück. Aber wir haben uns auch sehr intensiv mit dem auseinandergesetzt, was wir tun, lange im Vorfeld die Schneesituation und das Wetter beobachtet in den Tourengebieten. So eine gewisse Professionalität gehört einfach dazu.

Die Touren mit Michael Schuchert und Holger Heuber waren oft anspruchsvoll. Foto: M. Schuchert
Michael: Trotzdem ist es sehr schwierig geworden, ein Jahr im Voraus die geeignete Woche oder das Quartier mit den besten Verhältnissen zu finden. Wegen der wechselnden und lokal oft komplett unterschiedlichen Schneeverhältnisse im Alpenraum, verstärkt durch die abnehmenden, fast nicht vorhersagbaren Niederschlagsperioden.
Holger: Weiterhin Skitouren und Varianten in der Form anzubieten, wie wir es getan haben, wird extrem schwer – ich hab letztes Jahr 70 bis 80 Skitage gehabt
und davon vielleicht drei gute Pulvertage. Früher gab es im Hochwinter immer ausreichend Schnee, um in den höheren Lagen relativ sicher im Gelände unterwegs zu sein. Das ist jetzt definitiv nicht mehr der Fall. Wenn ich zeitlich flexibel bin, ist das kein Problem. Aber mit einem festen Kurstermin ist die Wahrscheinlichkeit für passende Schneeverhältnisse im Gelände bei weit unter 50%.
Was wünscht ihr euren Nachfolgern? Was möchtet ihr mitgeben an Denkanstößen und an Erfahrung?
Michael: Wenn sich die Ski-Trainer*innen einmal im Jahr treffen, wäre das mit Sicherheit von Vorteil. Und gemeinsam auf Fortbildung zu gehen, damit ein freundschaftliches Verhältnis unter den Trainer*innen entsteht. Holger und ich haben uns fast blind verstanden und konnten uns immer aufeinander verlassen. Wenn das rüberkommt, ist gleich das ganze Klima bei der Veranstaltung viel besser. Und auf das Bauchgefühl zu hören, lieber mal zurückziehen, bevor man etwas durchpeitscht und es am Ende schief geht.
Holger: Ich wünsche euch, dass ihr motivierte junge Leute findet, die man nicht zum Jagen tragen muss, die wirklich Bock darauf haben, zusammen mit anderen was zu unternehmen und ihr Wissen auch gern weitergeben, ohne irgendwelche Profilneurosen.
Ganz herzlich Danke für die vielen, vielen Jahre, für eure positive Energie. Ihr hinterlasst da keine ganz kleine Lücke. Eure Ideen für die freigewordene Zeit werden sicher noch für mehrere Leben reichen. Euch noch viele gute Winter, Gesundheit, Unfallfreiheit, und einen guten Start in ein neues Zeitalter.









