Interview mit Alex Megos

Wie bist du zum Klettern gekommen?

 

Ich bin durch meinen Vater zum Klettern gekommen als ich etwa 5 oder 6 Jahre alt war. Er hatte damals in der Uni einen Kletterkurs bei Wolfgang Güllich und Norbert Sandner gemacht und ist dann beim Klettern geblieben.

Was fasziniert dich so an diesem Sport, dass du ihn sogar zu deinem Beruf gemacht hast?

Ich denke, das Faszinierende am Klettern ist, dass es so unglaublich vielfältig ist. Von Seilklettern über Bouldern bis hin zu Mehrseillängenrouten an Kalk, Granit, Sandstein, Konglomerat, Quarzit... gibt es alles. Man kann in fast jedem Land dieser Erde klettern und es gibt so viele Routen und so viel Potential, dass ein Leben bei weitem nicht ausreicht, um alles zu sehen und zu klettern, was man gerne würde. Somit gehen einem die Ziele nie aus.

Außerdem ist Klettern nicht nur ein Sport, sondern auch ein Lifestyle. Klettern gehen heißt nicht nur klettern gehen, sondern für mich bedeutet das auch Freunde treffen, neue Freunde finden, neue Länder bereisen, neue Kulturen kennen lernen und sich mit den ganz persönlichen Grenzen auseinandersetzen.

Wie sieht denn dein Alltag als Profikletterer aus? Gibt es diesen überhaupt oder bringt jeder Tag was Neues?

Es kommt immer darauf an, ob ich gerade unterwegs bin oder zu Hause. Meist ist es so, dass sich in jedem Klettergebiet eine etwas eigene Routine einstellt, abhängig von den Bedingungen dort, Wetter, Umgebung usw. Meist sieht der Tag aber wie folgt aus: Man steht auf, frühstückt und geht dann klettern, bis es dunkel wird.

Wenn ich zu Hause bin, trainiere ich meist in der Halle anstatt einfach „nur” klettern zu gehen. Einfach aus dem Grund, dass ich, wenn ich auf Reisen bin, nicht die Gelegenheit zum Trainieren habe. Ich reise ja schließlich, um zu klettern und nicht um zu trainieren.

Stehst du immer voll hinter deiner Entscheidung, Klettern als deinen Beruf gewählt zu haben oder wünschst du dir manchmal einen „einfachen Bürojob“? Warum bzw. warum nicht?

Ich glaube, es gibt niemanden, der nicht mal an dem zweifelt, was er tut. Das ist ganz normal. Einen ganz normalen Bürojob würde ich mir aber niemals wünschen. Damit würde ich nicht klar kommen.

Ich bin sehr froh und mir ist auch bewusst, dass ich gewissermaßen sehr privilegiert bin, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

Welche Pläne hast du für das nächste Jahr – und welche für die fernere Zukunft?

Pläne für die Zukunft sind wie immer stärker werden. Und mich im Klettern zu verbessern. Der Rest ergibt sich dann von selber. Da lasse ich mich überraschen.

Was machst du eigentlich gerne in deiner Freizeit? Andere nutzen die ja zum Beispiel, um zum Klettern zu gehen…

Haha. Ich gehe auch gerne klettern in meiner Freizeit! Und abgesehen davon lese ich gerne, fotografiere gerne und mache auch ab und an anderen Sport. Ah und kochen tue ich auch sehr gerne.

Du bist ja viel unterwegs. Wie schaffst du es trotzdem, (alte) Freundschaften zu pflegen und mit deiner Familie Zeit zu verbringen?

Ich versuche immer wieder zwischen meinen ganzen Reisen nach Hause zu kommen und ein bisschen Zeit zu Hause zu verbringen, um Freunde und Familie zu treffen. Außerdem reise ich öfter auch mal mit Freunden.

Gerade in Franken findet man viele ambitionierte Kletterer. Was, denkst du, ist für Kletterer das Wichtigste, um die persönlichen Ziele zu erreichen? Hast du dafür eine Art „Erfolgsrezept“?

Ich denke, das beste Erfolgsrezept ist motiviert zu sein. Wer seine Ziele erreichen will und motiviert dabei ist, wird diese auch erreichen. Wobei, man darf es nicht um jeden Preis wollen, denn wenn man etwas zu sehr will, dann klappt es meist nicht. Die Balance zu finden, das ist das Erfolgsrezept.

Zusätzlich schadet dem Klettererfolg natürlich ein bisschen Training nicht. Und deswegen möchte ich dich jetzt nicht länger davon abhalten. Vielen Dank für das Interview und natürlich alles Gute für deine nächsten Projekte!


Alexander Megos

• * 12. August 1993
• in der Welt zu Hause, aber in Erlangen Bruck verwurzelt
• weltweit erste 9a (11 UIAA) Onsight – Estado critico in Siurana
• mehrere Routen im Grad 9b (11+/12- UIAA)
• Silber bei Boulder-EM (München) und Leadweltcup (Kranj) 2017
• Erlanger Sportler des Jahres 2017

 
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