Saisonauftakt 2017 auf der Erlanger Hütte

Bereits im Frühjahr zeichnete sich ab, dass dieses Jahr anders werden sollte: Es gab eine Anfrage der Juniorengruppe, sich am diesjährigen Vorkommando zu beteiligen. Was für eine Überraschung und Freude! Aber die Realität war noch besser

 

5 Erlanger-Hütte 4 R. Beitter Leider hatte mir unser Hüttenwirt Christian Anfang Juni ein paar schöne Fotos von der Hütte gemailt. Bei genauerer Ansicht zeigte sich die zweite Seilbahnstütze von unten wie von Riesenhänden zerquetscht. Und wir wollten doch mit den Helfern eine neue Vorschrift einer findigen Tiroler Behörde umsetzen: Eine Seilbahnstütze muss in Warnfarben rot-weiß-rot von oben bis unten angestrichen werden, so der Inhalt des Schreibens für „Luftfahrtbehördliche Kennzeichnungsmaßnahmen“ des Amts für Verkehrsrecht der Tiroler Landesregierung – oder war es doch Schilda?

In einem Gespräch mit Robert Kolbitsch vom Bundesverband erklärte dieser mir, dass der DAV seit Jahren gegen diese Willkür der Behörden vorgehe. Besonders unverständlich erscheint dieser Warnanstrich, weil alle Seilbahnen mit ihren Stützen mit GPS-Koordinaten im Bordcomputer jedes Helikopters hinterlegt sind und dieser den Piloten rechtzeitig warnt.

Jetzt aber zum eigentlichen Spaß, unserem traditionellen Vorkommando. Stefan Rieger, Ronja, Tatjana, David und ich reisten bereits am Mittwoch vor Fronleichnam nach Umhausen an, brachten Hüttenflyer zum Tourismusbüro und holten uns die neuesten Ötztalinformationen ab. Am nächsten Tag parkten wir unser Auto an der Gehsteigalm und teilten uns auf, um beide 5 Erlanger-Hütte 5 F. Beitter Wegvarianten zur Hütte ablaufen zu können. Von einigen kleinen Erosionsschäden abgesehen sind die Wege in gutem Zustand. Reparaturen wurden in Auftrag gegeben. Auf der Hütte war von Anita und Christian schon alles zur Eröffnung vorbereitet, nur einige Arbeiten hatten unsere emsigen Wirte für uns aufgehoben – u.a. das immer wieder lustige Umschichten menschlicher Hinterlassenschaften im Stufenkomposter. Am Nachmittag beschlossen Stefan, Ronja und ich noch auf den Wildgrat aufzusteigen und Wege und Markierungen zu kontrollieren. Zwar lagen noch reichlich Schneefelder in den Karen, aber ansonsten zeigte sich der Weg unverändert gut begehbar. Der große Wegweiser am Gipfel war aber leider seiner Informationen beraubt. Entweder hat ein Witzbold die Schilder geklaut oder aber Wind und Wetter haben die Schilder in die Tiefe befördert. Finden konnten wir sie beim besten Willen nicht und so haben wir Ersatz geordert, der baldmöglichst an die Stange geschraubt werden wird.

Unsere Helfer aus der Juniorengruppe, Matthias, Jan, Sebastian, Marvin und Katharina, kamen am Donnerstagnachmittag auf der Hütte an und nach einem fröhlichen Hüttenabend gingen wir müde in unsere Lager.

Am nächsten Morgen teilten wir uns in drei Gruppen auf, wobei jeder Trupp einen anderen Teil des Weges vom Leierstal bearbeitete. Es wurde Schutt und Blockwerk ausgeräumt, Trockenmauern aufgeschlichtet (manche verwechselten das teilweise mit angedeuteten Kleinsteinlegungen im Kindergartensandkasten J), Stufen gebaut, Rinnen gezogen und Markierungen aufgefrischt. Kommentar von Christian, nachdem er den Arbeitern der Firma Schmidinger, die mit der Demontage der zerstörten Seilbahnstütze beschäftigt waren, eine Brotzeit gebracht hatte: Das ist ja jetzt eine richtige Autobahn geworden!

Abschließend haben Ronja und ich noch den Übergang von den gemauerten Stufen der Außentreppe zum Weg saniert und festgestellt, dass der Winter einige Frostschäden auf unserer Terrasse hinterlassen hat. Christian hat sich inzwischen mit Spezialmörtel darum gekümmert.

Ich glaube, alle waren nach der schweren Arbeit im Gelände und das wechselhafte Wetter mit Regenschauern froh, in die gemütliche Gaststube zu kommen und sich von Christians Kochkünsten verwöhnen zu lassen.

Beim Kontrollieren des Dachbodens fiel wegen des Starkregens eine Undichtigkeit um den Blitzschutz herum auf. Nach einigem Suchen konnte Christian sogar noch Ersatzschindeln finden und hat in der Folgewoche das Leck gut abdichten können.

5 Erlanger-Hütte 3 R. Beitter Am Samstag, 17.Juni teilte sich unsere Vorkommandotruppe erneut auf: Ein Trupp arbeitete an der Seilbahnstütze in luftiger Höhe, der andere wanderte übers Lehnerjoch zum Fundusfeiler und wieder zur Hütte zurück. Wegen der ungünstigen Abstände der Streben zueinander gestalteten sich die Sicherung und das Streichen in Landesfarben echt schwierig. Ich hatte ja mit der Nutzung der Transportgondel zum Abseilen geplant, aber wegen des Lawinenschadens war die Seilbahn funktionsunfähig. Wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß, haben wie Wilhelm Buschs Maler Klecksel am Ende doch ein gelungenes Ergebnis erreicht.

Als wir nach etwa sieben Stunden mit dem Warnanstrich fertig waren, stiegen wir wieder zurück zur Hütte auf – teilweise in Begleitung 5 Erlanger-Hütte 7 F. Beitter einer Gruppe der A- und B-Damenjugend unseres Erlanger HC. Ein farbenfrohes Bild der jungen Ladies: Im Anstieg zur Erlanger Hütte mit angelegtem Klettersteigset, Leggins und trendigen Leichtsportschühchen. Aber es war dann sehr lustig mit ihnen auf der Hütte. Ich finde, wir sollten allen anderen Erlanger Sportvereinen ein solches Wochenende als 5 Erlanger-Hütte 2 R. Beitter Teamveranstaltung wärmstens empfehlen! Und die Trainer/innen haben wirklich meinen allergrößten Respekt: Sehr relaxter Umgang mit dem umtriebigen Jungvolk.

Es waren arbeits- und erlebnisreiche Tage, die mir viel Zuversicht bzgl. ehrenamtlichen Engagements bei unseren jüngeren Vereinsmitgliedern gegeben hat. Ich möchte mich deshalb ganz herzlich für die Unterstützung, das Zupacken und den Teamgeist bei allen bedanken.

Am Sonntag hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen und wir teilten uns beim Abstieg wieder auf: Ein Teil ging über die Gehsteigalm und Leierstalalm zur Forststraße zurück, eine andere Gruppe ließ die Rücksäcke an der Gehsteigalm und kontrollierte den Wanderweg nach Tumpen. Meine Gruppe lief den Forchheimer Weg bis ins Tumpental, dann weiter bis unterhalb der Hinteren Tumpenalm ein Steig rechts am Berghang zur Gehsteigalm hinauf ansteigt. Das ist übrigens eine landschaftlich sehr lohnende Wanderung. Leider ist im unteren Teil des Forchheimer Weges ins Tumpental der Weg teilweise durch Steinschlag und Erosion stark beschädigt worden. Es ist zu hoffen, dass unsere Nachbarsektion diese Problemzonen schnell beseitigt. Wir haben natürlich das Möglichste an Schutt und losen Felsbrocken bereits weggeräumt.

Alois von der Gehsteigalm hat uns versprochen, sich weiterhin um den Weg zu kümmern und sich mit dem Tourismusverband kurzzuschließen. In typisch Tiroler Manier hat er einen Getränkeautomaten zur Verfügung gestellt, damit durstige Wanderer ihren Durst löschen können: Getränke schwimmen gut gekühlt im Quellwasser vor der Alm. Anschließend kann man eine Spende hinterlegen. Eine sehr nette und bestimmt gut genutzte Idee.

Einen unfallfreien Bergsommer mit zahlreichen Besuchen auf unserem höchsten Erlanger Haus wünscht Euch
Friedrich Beitter

(Text u. Fotos: Friedrich Beitter)

 
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